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Champagner & Macarons – Ein unvergessliches Gartenfest

Place publique

FR 2018, 98 min, R: Agnès Jaoui, K: Yves Angelo, D: Agnès Jaoui, Jean-Pierre Bacri, Léa Drucker, Kévin Azaïs, Nina Meurisse, Sarah Suco 


Bissige französische Komödie, die bei einer Gartenparty ein Kaleidoskop unserer heutigen Gesellschaft entwirft.

Was für ein Fest! Nathalie, die vielbeschäftigte Fernsehproduzentin, lädt zur großen Einweihungsparty in ihre Villa vor den Toren Paris‘ – mit einer illustren Gästeliste: Ihr Schwager Castro hat seine besten Jahre als Star-Moderator im Fernsehen hinter sich. Hélène, Castros Ex-Frau und Schwester von Nathalie, macht wieder einmal nur Werbung für ihr neuestes Flüchtlingsprojekt. Ihre Tochter Nina ist kurz davor, ihren zweiten Roman zu veröffentlichen, in dem ihre Eltern nicht gerade gut wegkommen. Unaufhaltsam füllt sich der Garten mit Menschen aller Art, aus der Stadt und vom Land, Möchtegern-Stars, Hipster und Lebenskünstler, YouTuber und Influencer, Musiker und mittendrin die hoffnungslos verknallte Kellnerin Samantha, die nur eines will – ein Selfie mit Castro. Man bewundert und verachtet sich, tanzt und singt, fühlt sich cool und lebendig – und vielleicht ein bisschen einsam auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Als die Champagnerkorken knallen und die Party in vollem Gange ist, fallen unaufhaltsam die zivilisierten Masken und geben den Blick frei auf ein unberechenbares Pulverfass der Emotionen…
Mit messerscharfem Humor seziert Regisseurin und Hauptdarstellerin Agnès Jaoui sowohl die Abgründe als auch die polierten Oberflächen ihrer Protagonisten und zeigt, was passiert, wenn Gegensätze aufeinanderprallen: Stadt und Land, analoge und digitale Welten, Jung und Alt, berühmt oder schon auf dem absteigenden Ast.

AUS EINEM INTERVIEW MIT DEM AUTORENTEAM
Ihr Film heißt im Original PLACE PUBLIQUE, spielt aber in einem privaten Garten...
JEAN-PIERRE BACRI: ... welcher es – dank der sozialen Medien – schafft, zu einem „Place publique“ (Anmerkung: frz. place publique, dt. publikumswirksam, Öffentlichkeit) zu werden! Wir wollten dieser aktuellen Entwicklung gerecht werden, denn selbst in einer Gruppe von Freunden möchte man, dass das Frühstück, das man gerade festgehalten und gepostet hat, durch ein ‚like‘ auf Facebook bestätigt wird... Andy Warhol lag sowohl falsch als auch richtig: Heute sucht jeder zwar eher nach einer Minute Ruhm als nach 15, aber ansonsten hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. AGNÈS JAOUI: Es ist faszinierend, dieses Gefühl, dass, wenn etwas nicht „gepostet“ wurde, es auch niemals passiert ist. Tatsächlich fing ich aus genau diesem Grund mit elf an, ein Tagebuch zu führen: Wenn etwas, das mir passiert ist, nirgendwo aufgezeichnet wurde, hatte ich das Gefühl, dass es trotz der Tatsache, dass ich es erlebt habe, wertlos war. Um auf Andy Warhol zurückzukommen, es sind zugegebenermaßen 15 Minuten, aber diese 15 Minuten können wiederholt passieren. Jeder möchte eine Berühmtheit sein, um immer wieder erkannt zu werden – offensichtlich Teenager, aber dasselbe gilt auch für Erwachsene.

In der Tat ist das, worüber Sie spotten, die Berühmtheit, die durch soziale Medien geboren wurde... AJ: Ruhm – und die Macht, die er mit sich bringt – ist ein Thema, das uns schon immer interessiert hat, und nun gibt es eine neue Ordnung.
JPB: Wir versuchen nicht, soziale Medien schlechtzumachen – jeder nutzt sie so, wie sie für ihn funktionieren. Es ist nicht so, dass es auf der einen Seite nur Gutes gibt und auf der anderen Seite nur Schlechtes.
AJ: Denn es gibt einige YouTuber, die sehr ambitioniert sind und ihre Sache wirklich gut machen. Es gibt auch einige, die sich wirklich für eine Sache engagieren. Soziale Medien demokratisieren Berühmtheit, denn sie erleichtern den Zugang zu ihr. Die Leute, die im traditionellen TV-Geschäft weitermachen, wie Castro, verlieren ihre Macht sehr schnell und werden bedeutungslos. Denn die jüngeren Generationen nutzen nicht mehr das Fernsehen, alles ist jetzt komplett anders.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Champagner & Macarons – Ein unvergessliches Gartenfest
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Nr 357 - Oktober 2018
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