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Glück gehabt

Glück gehabt

AT 2019, 100 min, OdF, R: Peter Payer, K: Andreas Berger, D: Philipp Hochmair, Julia Roy, Larissa Fuchs, Robert Stadlober 


Peter Payer verfilmt den Roman »Das Polykrates-Syndrom« von Antonio Fian: eine Komödie, die zum Horror-Trip wird.

Was als komödiantische Dreiecksgeschichte beginnt, entwickelt sich für Artur bald zu einem Horror-Trip, der blutig enden wird. Der talentierte, aber wenig ehrgeizige Comic-Zeichner, der mit Vorliebe in Pantoffeln und Pyjamahose durchs ereignisarme Dasein schlurft, verdingt sich als Angestellter in einem Copyshop. Seine Frau Rita ist da schon karrierebewusster: soeben hat sie den Sprung zur jüngsten Schuldirektorin der Stadt geschafft. Die Ehe der beiden – mehr oder weniger glücklich, jedenfalls sehr routiniert – wird einem dramatischen Stress-Test ausgesetzt, als die ebenso geheimnisvolle wie reizvolle Alice Arturs Leben umkrempelt. Je mehr er sich in diese verhängnisvolle Affäre verstrickt, desto weniger weiß er, wer seine Geliebte eigentlich ist. Heißt sie wirklich Alice? Kommt sie aus Bayern, wie sie sagt? Ist sie die französische Studentin, die bei der Marktforschung jobbt, die sie so überzeugend zu spielen versteht? Immer mehr ergreift Alice von Arturs Leben Besitz, schleicht sich bei seiner Mutter ein, bei seinem besten Freund, sogar bei seiner Frau; und schockiert ihn schließlich mit einer freudigen Botschaft. Spätestens da wird auch Artur klar: lange kann dieses Gespinst aus Lügen nicht mehr halten.
GLÜCK GEHABT ist Peter Payers sechste Arbeit fürs Kino – und bereits seine vierte Literaturverfilmung. Nach Albert Drach, Christine Nöstlinger und Ödön von Horváth hat sich der österreichische Regisseur diesmal ein Werk von Antonio Fian vorgenommen: Der Roman »Das Polykrates-Syndrom« ist Vorlage für eine lakonische Filmkomödie, die von einer verhängnisvollen Affäre erzählt. Im Mittelpunkt steht der erfolglose und wenig ehrgeizige Comic-Zeichner Artur, dessen beschauliches Dasein ein jähes Ende findet, als er auf die geheimnisvolle Alice trifft.

AUS EINEM INTERVIEW
MIT DEM REGISSEUR
Es gab vereinzelt den Vorwurf, der Roman »Das Polykrates-Syndrom« sei mehr oder weniger eine Männerphantasie. Was halten Sie von dieser Einschätzung, wie gehen Sie im Film damit um?
Ich teile diese Einschätzung nicht. Die treibenden Kräfte in der Geschichte sind ausnahmslos die beiden Frauen. Selbstbestimmt, zielstrebig, individuell, besonders. Nur die Erzählperspektive ist die des männlichen Protagonisten, aber das ist weniger Männerphantasie als ein Blick in die Seele eines etwa Vierzigjährigen. Wir begleiten einen Mann dabei, wie er vor sich hin strauchelt, wie er versucht, mit all dem fertig zu werden, was ihm da im Film zustößt, manchmal so männlich wie dämlich…

Und dieser Mann hat Angst vor dem Glück. Er spielt nicht einmal Lotto, sagt er einmal, weil er sich davor fürchtet, zu gewinnen. Ist Artur ein Loser?
Er ist weder ein Verlierer noch ein Gewinner. Er ist eigentlich zufrieden mit seinem Leben abseits eines Systems, und die Frage, was das eigentlich ist, Zufriedenheit, ist eine ganz zentrale in meinem Film. Er denkt sich: Wer hoch hinaus will, der kann auch sehr tief fallen. Also arrangiert er sich mit dem Status quo. Das ist natürlich schon auch sehr bequem. Und seine Bequemlichkeit wird massiv in Frage gestellt.

Nächste Spieltermine:

So. 22. Dezember 11.30 Uhr OdF Movie 2
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
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