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Joy

Joy

AT 2018, 101 min, R: Sudabeh Mortezai, K: Klemens Hufnagl, D: Joy Alphonsus, Mariam Precious Sansui, Angela Ekeleme, Gift Igweh, Sandra John, Chika Kipo, Ella Osagie, Christian Ludwig, Mary Kreutzer 


Sudabeh Mortezai nähert sich dem aktuellen Thema Frauenhandel mit ihrer bereits aus MACONDO bekannten Arbeitsweise zwischen Spiel- und Dokumentarfilm.

JOY erzählt die Geschichte einer jungen Frau aus Nigeria, die im Teufelskreis von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung gefangen ist. Sie arbeitet in Wien als Prostituierte, um sich von ihrer Zuhälterin, der Madame, freizukaufen, ihre Familie in Nigeria zu unterstützen und ihrer kleinen Tochter eine Zukunft zu sichern. Die Freiheit scheint für Joy in greifbarer Nähe, als ihr die Madame die Verantwortung für Precious übergibt, ein junges Mädchen aus Nigeria, das noch nicht bereit ist, sich in sein Schicksal zu fügen.
JOY gibt einen intimen und authentischen Einblick in das Leben von Frauen, die Opfer von Menschenhandel wurden. Der Film nimmt dabei durchgängig die Perspektive der Frauen ein und zeigt die privaten Momente, den alltäglichen Kampf, die komplexen Machtbeziehungen und auch die Stärke und Würde dieser Frauen, die auf Europas Straßenstrichen arbeiten. Dabei offenbart der Film ein gnadenloses System der Ausbeutung, in dem die Grenzen zwischen Ausbeuterin, Komplizin und Opfer fließend sind.

REGIESTATEMENT
Ich wollte einen Film machen, der einen authentischen und intimen Einblick in das Leben getraffickter Frauen gibt und sie als Subjekte ihrer Geschichten zeigt. Den Kreislauf der Ausbeutung zeigen, ohne dass der filmische Blick ausbeuterisch wird. JOY zeigt, was wir fast nie zu sehen bekommen: die privaten Momente, den alltäglichen Überlebenskampf, die komplexen und ambivalenten Machtbeziehungen. Und er stellt die Würde und Stärke dieser fremden Frauen in den Mittelpunkt, die Europas Straßenstriche und Bordelle bevölkern. Der Film ist ausschließlich aus Joys Perspektive erzählt. Es sind ihre Reise, ihre Beziehungen zur Madame und zur jungen, unerfahrenen Precious, die die Geschichte vorantreiben. Es gibt keine »weißen Retter« und auch keinen Märchenprinzen, der die Frauen befreit. Die Freier, die Wohlmeinenden, die Harmlosen genauso wie die Gewalttäter bleiben Nebenfiguren.
Das Drehbuch von JOY basiert auf vielen wahren Lebensgeschichten, die ich im Zuge meiner Recherche gehört habe. Durch meine Arbeitsweise – ich drehe chronologisch, und die Szenen und Dialoge sind großteils improvisiert – haben die Darstellerinnen viel Raum, um ihre Charaktere und Beziehungen selbst zu entwickeln. Mich interessiert ihre eigene Sprache und wie sie die Rollen mit ihrer eigenen Persönlichkeit füllen, auch wenn sie nicht sich selbst, sonder vorgegebene Rollen in einem Spielfilm spielen. So sind die Darstellerinnen in gewisser Weise meine Ko-Autorinnen, die viel zur Authentizität und Intimität des Films beitragen.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Joy
Moviemento-Programmzeitung
Nr 360 - Jänner 2019
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