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Lady Macbeth

Lady Macbeth

GB 2016, 96 min, R: William Oldroyd, K: Ari Wegner (II), D: Florence Pugh, Cosmo Jarvis, Paul Hilton, Naomi Ackie, Christopher Fairbank, Golda Rosheuvel 


William Oldroyds preisgekrönter Film basiert auf der von Shakespeare inspirierten Novelle »Lady Macbeth von Mzensk« von Nikolai Leskow, in dem er ein dichtes Geflecht von Klassen- und Rassenfragen spinnt.

England, 1856. Die schöne Katherine wird mit einem verbitterten und deutlich älteren Mann verheiratet. Die Ehe ist herzlos, und die neue Familie betrachtet sie als unerwünschte Bürde. Sie beginnt deshalb eine leidenschaftliche Affäre mit einem rebellischen Gutsarbeiter und ist schon bald nicht mehr bereit, ihr neu gewonnenes Glück wieder loszulassen. Sie wird sich niemandem mehr unterwerfen und sie schreckt vor nichts zurück, um das zu bekommen, was sie begehrt. Intensiv, elektrisierend und hochspannend – so hat man eine radikal liebende Frau schon lange nicht mehr im Kino gesehen. In diesem messerscharf geschliffenen Liebesdrama zeigt uns die wunderbare Florence Pugh in der Titelrolle, was starker Wille wirklich ist. Mit dieser furiosen Frauenfigur entsteht in meisterhaft arrangierten Tableaus eine hochkonzentrierte Dramatik, die diesen Film so schnell nicht wieder vergessen lässt.
Die großartig nuancierten Darbietungen der beiden theatererprobten Hauptdarstellerinnen sind das dramatische Herzstück des Films, der zudem durch seine ebenso karge wie sorgfältige Inszenierung besticht, die nach einer minutiösen (aber hochspannenden) Beschreibung von Katherines langweiligem Leben als »Vogel im Käfig« bei der allmählichen Wandlung der Titelfigur einen immensen Drive entwickelt. Wie der Regisseur erklärt, hat man alles, was vom »Unabhängigkeitskampf« Katherines ablenken könnte, systematisch in den Hintergrund geschoben. Und auch mit literarischen Konventionen vergangener Zeiten, wo Frauen »stillschweigend leiden, Selbstmord begehen oder anders verschwinden«, wird hier resolut aufgeräumt, wodurch eine der faszinierendsten literarischen Frauenfiguren aller Zeiten (nämlich eben Lady Macbeth) hier eine zumindest im Ansatz verständliche psychologische »Vorgeschichte« und Unterfütterung erhält. Nur, dass sie dem unzuverlässigen Stallburschen fast hörig ist, schwächt den feministischen Ansatz etwas, aber die starke Liebe zum wankelmütigen Schwächling ist bei Shakespeare (und Leskow) eben ein zentrales Element, und es ist ja nicht zuletzt die irrationale Leidenschaft, die das Drama so menschlich macht.

__ Als hätte Hitchcock Wuthering Heights verfilmt. – Indiewire

__ LADY MACBETH bewegt sich zumeist in den etablierten Konventionen des historischen Dramas, bekommt aber frisches Blut durch die strahlende Besetzung, subtile Verweise auf aktuelle Rassen- und Gender-Problematiken und eine große Portion gotischen Melodrams.
– The Hollywood Reporter

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Lady Macbeth
Moviemento-Programmzeitung
Nr 347 - Dezember 2017
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