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Chuzpe

Chuzpe

AT, 2017, 88 min, R: Peter Ily Huemer, K: Christian Mitterbauer, Kirk Heflin, D: Robert Wolf, Stefan Wildner, Martin Biro, Titanilla Eisenhart, Ronnie Urini, Doris Harasek 


Beitrag zu einer wahren Kulturgeschichte Wiens in den 1970ern: Eine lustvolle Reminiszenz an Punk, New Wave und eine Wiener Jugend, die die Chuzpe hatte, sich mit einem Repertoire von drei Akkorden auf eine Bühne zu stellen.

Peter Ily Huemer hat der ersten Wiener Punk-Band Chuzpe ein – kritisches – Denkmal gesetzt, und nicht nur ihr. In seiner aufschlussreichen Doku gleichen Namens lassen die älter gewordenen Bandmitglieder von Chuzpe, Dirt Shit, Gleitmittel und Blümchen Blau die späten 1970er und 80er Jahre noch einmal Revue passieren – das stickige Wien, Rebellion, Drogen, Eltern. Manchen stehen die harten alten Chuzpe-Jahre noch ins Gesicht geschrieben, andere können schon distanziert auf die Anfänge der Punk-Bewegung in Wien schauen: Ronnie Urini, Panza, Nivea, Seppl oder Ali Kravalli nannten sie sich; sie haben durchaus unterschiedliche Erinnerungen daran, wie alles begann, damals. Man erkannte sich jedenfalls, sprach sich an, hatte vielleicht in der Ö3-»Musicbox« etwas von den Ramones oder Sex Pistols gehört.
Musiker war ja nun keiner, aber das war nicht wichtig. Wichtig war der Widerstand gegen die als tot und feindselig empfundene Stadt. Rau, schnell und simpel die Musik, subversiv und deutsch die Texte. Schnell kamen die Fans, die Nachahmer, aber auch harte Drogen und Zerstörungsdrang.
Der Filmemacher Huemer, selbst früher Theaterpunk, ist Chuzpe und der Punk-Szene freundschaftlich verbunden. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichten, die ihm all die Bandmitglieder von früher erzählten, so emotional und ehrlich klingen. Huemer setzt in diesem sympathischen Kammerspiel alle einzeln vor die Kamera.
Herausgekommen ist jedoch viel mehr als eine Ansammlung von Talking Heads: Alle scheinen miteinander im Gespräch zu sein. CHUZPE ist ein wichtiges Filmdokument über eine gesellschaftliche Nische, zu der es bisher keines gab. Umso ehrenwerter, dass Huemer Wert darauf gelegt hat, zu seinen Protagonisten kritische Distanz zu wahren und die kleine Widerstandsbewegung, die für Wien so wichtig war, in all ihrer Widersprüchlichkeit zu beleuchten. (orf.at)

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Chuzpe
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Nr 345 - Oktober 2017
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