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Hochwald

Hochwald

AT/BE 2020, 107 min, OdF, R: Evi Romen, K: Martin Gschlacht, Jerzy Palacz, D: Thomas Prenn, Noah Saavedra, Josef Mohamed, Ursula Scribano-Ofner, Elisabeth Kanettis, Katja Lechthaler 


Die Geschichte des schrägen und sensiblen Mario, dessen Leben allmählich aus den Fugen gerät, als sein Jugendfreund Lenz wieder auftaucht.

Mario tanzt für sein Leben gerne, aber daraus einen Beruf zu machen, ist für einen wie ihn unmöglich. Sein Freund Lenz kann hoffnungsfroh in eine Zukunft als Schauspieler blicken, er ist der Sohn weltgewandter Winzer, während Mario mit seiner Mutter über der Dorfmetzgerei haust, gegen seine Drogensucht kämpft und sich nach abgebrochener Lehre mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Gemeinsam brechen Mario und Lenz auf, um vom Südtiroler Bergdorf nach Rom zu fahren, wo Lenz sein Schauspielstudium antreten wird. Mario bleibt eigentlich unerlaubt seinen Arbeitsplätzen fern, um in Rom sein Glück als Tänzer zu versuchen. Am ersten Abend in der Ewigen Stadt besuchen sie eine Gaybar und werden Opfer eines Attentates. Lenz stirbt. Mario überlebt unversehrt.
Die Reaktionen im Dorf auf seine alleinige Wiederkehr werfen Mario endgültig aus der Bahn. In der dörflichen Struktur findet er keinen Halt, die katholische Kirche weiß keinen Rat, es scheint, als würden sich nicht nur die Eltern von Lenz denken, dass es den Falschen getroffen hat. Bei seinen Streifzügen durch die im Tal gelegene Stadt trifft Mario auf Nadim, der in der Fußgängerzone den Koran verteilt. Mario fühlt sich zu Nadim hingezogen, und ausgerechnet bei Nadim und seinen gläubigen Brüdern findet Mario Halt und Hilfe gegen seine Drogensucht. Marios scheinbare Wandlung zum Moslem stößt sein Umfeld vor den Kopf – und Mario selbst muss sich der Frage stellen, ob er überhaupt Teil der dörflichen Gemeinschaft sein kann und möchte.

__ Gelebte Rebellion – 3sat

__ Ein hochspannendes Drama um einen tanzenden Außenseiter, der seinen Platz im Leben sucht. Und ein moderner Antiheimatfilm über Sex, Religion, Tod und Befreiung. – ORF.at

AUS EINEM INTERVIEW MIT EVI ROMEN (Regie)

In der Eröffnungsszene betritt die Hauptfigur Mario den weihnachtlich dekorierten Dorf-Festsaal. Er beginnt in einer Art zu tanzen, die definitiv nicht für die dortige Bühne bestimmt ist, und auch seine Outfits sind zwischen Glamour und Retro, zwischen männlicher und weiblicher Codierung. Diese ersten Impressionen machen ganz schnell klar: »Hier ist jemand nicht an seinem Platz.« Ist dieses Gefühl des Deplatziert-Seins das Grundthema von HOCHWALD?

EVI ROMEN: Deplatziert-Sein ist exakt das Gefühl, das ich in diesen ersten Minuten einführen wollte. Hier ist jemand, der nicht an diesen Ort passt oder zumindest davon träumt, dass er nicht hierher passt und sich woanders besser ausleben könnte. Es gibt zwei Aspekte, die HOCHWALD unterschwellig bestimmen: einerseits am falschen Platz zu sein, andererseits am Abgrund zu stehen. Daher gibt es auch die Bühnensituation mit der erhöhten Fläche und dem Rauf-und-runter. Mario trägt auch hohe Schuhe, mit denen man leicht stürzen kann. Die Bilder wirken wie eine leichte Montage, diese Sequenz ist aber Stück für Stück auf den Charakter abgestimmt.


Auch wenn die Lebenswege von Lenz und Mario vorgezeichnet zu sein scheinen, bringt ein unerwarteter und unwahrscheinlicher Schicksalsschlag alles durcheinander. Wenn Schicksal und Vorsehung im Spiel sind, liegen auch Religion und Glaube nahe. Religion wird in HOCHWALD zu einer interessanten Projektionsfläche, wie komplex die Lebensrealitäten geworden sind und wie unmöglich es uns allen geworden ist, klar Stellung zu beziehen.

EVI ROMEN: Ich bin dankbar für Ihre Sichtweise, denn ich erlebe, dass immer wieder versucht wird, mich in Zusammenhang mit HOCHWALD auf religiöse Themen festzulegen. Es ist mir absolut kein Anliegen, religiöse Wertungen zum Ausdruck zu bringen. Was ich aufzeigen möchte, ist, wie Religion uns prägt und welche Ausformungen davon im modernen Leben noch übrig sind. Wie tief manche (katholischen) Glaubenssätze noch in uns stecken und wie sehr in der islamischen Welt eine Sehnsucht nach Halt in der Religion besteht.
Ich sehe einerseits eine Tendenz nach Befreiung von belastenden Glaubensmustern und auf der anderen Seite ein Hinbewegen zu Religion als Schutz.


Diagonale 2021: Großer Diagonale Preis Bester Spielfilm
Österreichischer Filmpreis 2021: neun Nominierungen (Bester Film, Bestes Drehbuch, Bester Haupt- und Nebendarsteller u.a.)

Nächste Spieltermine:

Mo. 27. September 20.15 Uhr OdF Movie 3
Mi. 29. September 20.15 Uhr OdF Movie 3
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Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Hochwald
Moviemento-Programmzeitung
Nr 378 - September 2021
Mitternachts-Premiere: James Bond 007 – Keine Zeit zu sterbenFilm & Gespräch: Goli JanPremiere: Another Coin for the Merry-Go-RoundKunst im Kino - Saison 2020/21