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Radiance

Hikari

JP/FR, 2017, 101 min, OmdtU, R: Naomi Kawase, K: Arata Dodo, D: Masatshi Nagase, Ayame Misaki, Tatsuya Fuji, Kazuko Shirakawa, Mantarô Koichi 


Eine zärtliche, poetische, überaus bildgewaltige Liebesgeschichte und eine Hommage an die integrierende Kraft des Kinos.

Ein Mann nimmt in einem Kinostuhl Platz. Aus dem Off sind die Worte »Test, Test, Test...« zu hören. Dann gleitet die Kamera über eine belebte Straße einer japanischen Stadt. Eine junge, weibliche Stimme hebt zum Sprechen an. Ruhig zählt sie auf, was sie alles sieht: einen Geschäftsmann, der zu einem Termin eilt; eine Frau, die Selbstgespräche führt; Menschen, die sich zwischen hupenden Autos hindurchschlängeln und die Fahrbahn queren; ein Haus mit traditionellen japanischen Dachziegeln... Bilder und Worte. Sehen und hören. Eine junge Frau kommt ins Bild, sie hat die Szenerie erläutert. Misako Ozaki verfasst Audiodeskriptionen für Menschen mit Sehbehinderungen. Vor einer Testgruppe trägt sie in einem Aufnahmestudio den ersten Entwurf ihrer Beschreibung eines Liebesdramas zwischen einem alten Mann und einer jungen Frau vor. Es kommt zur Diskussion, der Ton ist dabei durchaus freundlich: »Wäre es nicht besser zu sagen, dass die Frau dunkle Haare hat – nicht schwarze... « Nur Nakamori, der Kinogänger der Einstiegsszene, ein berühmter Fotograf, der aufgrund einer degenerativen Erkrankung allmählich das Augenlicht verliert, reagiert harsch. Laut. Er will sehen statt hören. Selbst deuten, nicht erklärt bekommen. Doch seine Worte haben Misako tief getroffen. Sie, die den Gehandicapten mit ihren Hörfassungen doch nur eine Freude bereiten will. Ihre Supervisorin Tomoko nimmt sie zur Seite, schenkt ihr einen Bildband mit Nakamoris schwebenden, fast entrückten Fotografien. Nichtsehende hätten ein großes Vorstellungsvermögen, erklärt sie. Um ihnen einen Film nahezubringen, müsse man diese Fähigkeit respektieren lernen und ihnen genug Raum für ihre eigenen Interpretationen lassen.

AUS EINEM INTERVIEW
MIT DER REGISSEURIN
Misako trifft Nakamori, einen berühmten Fotografen, dessen Sehkraft allmählich schwindet. Bald nähern sie sich einander an. Wie würden Sie ihre Beziehung beschreiben?
Misako ist vom Wunsch beseelt, im Kino Hoffnung fürs Leben zu schöpfen. Sie ist mit ihrem Leben unzufrieden, schafft es nicht, ihre Traumata zu bewältigen. Dann realisiert sie, dass Kino und Leben nicht dasselbe sind. Sie erkennt, dass auch Filmemacher nicht nur Optimismus verbreiten. Fortan denkt sie darüber nach, wie sie diese Tatsache auch Menschen mit Sehbehinderungen vermitteln kann. Nakamori ist Fotograf. Noch kann er sehen, aber sein Augenlicht lässt von Tag zu Tag nach. Er fürchtet, blind zu werden. Aus diesem Grund empfindet er Autodeskriptionen, die zu präzise erzählen, als distanzlos – und dies führt dazu, dass er heftig gegen Misako Stellung bezieht. Es scheint, als würden Misako und Nakamori diametral verschiedene Standpunkte vertreten, aber tief in ihrem Inneren haben sie viel gemein. An diesem Punkt angelangt, beginnen sie sich immer stärker füreinander zu interessieren. Es ist die Kraft des Kinos, die sie eint. Da ich aber als Regisseurin sehr stark im Produktionsprozess involviert bin, war es für mich extrem schwierig, einen Film zum Thema Kino zu machen. Bis zur Fertigstellung meines Films plagte mich die Angst, ob es mir gelingen würde, meinen Spielfilm RADIANCE mit meinem Film-im-Film RADIANCE zu vereinen. Und schließlich wurde mir klar, dass dies in der Dunkelheit des Kinosaals geschehen musste.

__ Radiance ist wie eine cineastische Beruhigungspille in unruhigen Zeiten und hat als solche sicherlich seinen Platz in den Programmkinos verdient. – kino-zeit.de

Nächste Spieltermine:

Do. 14. Dezember 18:15 Uhr OmU Movie 2
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Radiance
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