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Je suis Karl

Je suis Karl

CZ/DE 2021, 126 min, R: Christian Schwochow, K: Frank Lamm, D: Luna Wedler, Jannis Niewöhner, Milan Peschel, Elizaveta Maximová, Marlon Boess, Daniela Hirsh 


JE SUIS KARL ist als Drama einer Familie so erschütternd wie als Gesellschaftsstudie packend.

Regisseur Christian Schwochow und Drehbuchautor Thomas Wendrich verknüpfen auf brisante Weise die Fiktion eines beängstigenden Szenarios mit dem Geist einer Realität, vor der man nur allzu gern Augen und Ohren verschließt. JE SUIS KARL erzählt von der Verführung nach einem Verlust, von persönlichem Schmerz und der Gefahr, die Verwerfungen im Denken und Handeln radikaler Menschen zu spät zu erkennen, und sei es nur, weil man liebt. Nicht in einer fernen Zukunft, sondern jetzt. Ein kompromissloser Film auf der Höhe unserer Tage. Als Maxi und Karl brillieren mit Luna Wedler und Jannis Niewöhner zwei der spannendsten Gesichter des jungen deutschsprachigen Films. Den Part von Maxis Vater übernahm Milan Peschel. In weiteren Rollen sind Edin Hasanovic, Anna Fialová und Aziz Dyab zu sehen.

AUS EINEM INTERVIEW
Durch essenzielle wie überraschende Twists der Handlung kommt man beim knappen Beschreiben von JE SUIS KARL in arge Nöte, will man nicht unnötig spoilern. Wie würden Sie Ihren Film selbst auf den Punkt bringen?
THOMAS WENDRICH: Es ist zunächst eine Liebesgeschichte und die Geschichte einer Urangst, die wir alle haben. Angst vor dem Fremden, das uns Schaden zufügen könnte. Es ist eine uralte, indifferente Emotion. Unser Film spielt geradezu modellhaft mit dem Benutzen dieser Angst. JE SUIS KARL zeigt den Werdegang einer jungen Frau, die bislang keine Angst im Leben hatte, am Ende aber sehr klar formuliert, dass sie von dieser Angst ergriffen ist. Der Film fragt: Was würdest du tun, wenn dir das Liebste genommen wird? Was passiert mit unseren Gewissheiten, wenn uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird? Und dann ist JE SUIS KARL natürlich der Film über eine Jugendbewegung, die glaubt, innerhalb Europas Dinge geraderücken zu müssen.

Was sagt der Regisseur?
CHRISTIAN SCHWOCHOW: Thomas hat es schon sehr gut beschrieben. Wie verführbar sind wir für radikale Gedanken und vor allem radikales Handeln? Wie gefestigt sind wir wirklich, um uns gegen Angriffe durch starke politische Parolen, aber auch durch Menschen im nahen Umfeld zu schützen, die sich immer deutlicher aus der Deckung wagen und in ihren Haltungen radikalisieren? Wir wollten und mussten einen Film machen, der uns beim Beantworten dieser Fragen wehtut. JE SUIS KARL spielt nicht zufällig im Berliner Friedrichshain, wo wir beide mit unseren Familien wohnen. Wo wir zuhause sind und das Gefühl haben, emotional, moralisch und politisch auf sicheren Füßen zu stehen. Diese Sicherheit haben wir zunächst für uns selbst hinterfragt.

THOMAS WENDRICH: Ich finde, dass Filme wie JE SUIS KARL unbedingt wehtun müssen, und zwar nicht nur beim Sehen, sondern schon während der Entstehungszeit. Das hat er fünf Jahre lang auch mit uns gemacht. Nicht nur, weil wir uns selbst in dieser Zeit verändert haben, auch die Welt hat sich verändert, in der wir diesen Film verankern. Er zeigt eine Veränderung, die zunächst irritiert, um sich dann in den Schmerz zu steigern. Schmerz ist eine starke Emotion. Auch im Film.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Je suis Karl
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Nr 378 - September 2021
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