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AT/DE 2017, 107 min, R: Michael Glawogger, Monika Willi, K: Attila Boa 


Der Film entstand aus dem Material, das Michael Glawogger in den letzten Monaten vor seinem Tod drehte.

Am 3.12.2013 brach Michael Glawogger mit einem kleinen Team auf zu einer Reise um die Welt. Ein Film sollte dabei entstehen, von dem niemand wusste, wie er aussehen und wovon er erzählen würde. Glawogger wollte nur das aufnehmen, was ihn interessierte, berührte, beunruhigte, frei von inhaltlichen Vorgaben.
Bei den Arbeiten an seinen früheren, weltumspannenden Dokumentarfilmen MEGACITIES (1997), WORKINGMAN’S DEATH (2005) und WHORES‘ GLORY (2011) hatte Glawogger immer wieder Dinge gesehen und gehört, die ihn fasziniert, aber nichts mit dem jeweiligen Thema zu tun hatten. So blieben außerordentliche Bilder unfixiert, verwehten ungewöhnliche Klänge.
Bei UNTITLED sollte das anders sein. Eine Route wurde bestimmt entlang Glawoggers Erinnerungen und Sehnsuchtsorten; und was auch immer auf dem Weg passierte, sich zeigte, würde einen Platz in diesem Werk finden können. Parallel zu dem Film schrieb Glawogger zwei Blogs, in denen er seine Eindrücke, Gedanken und Träumereien wiedergab, was mal wie ein Tagebucheintrag klingen mochte und mal wie eine Kurzgeschichte.
Nach rund einem Drittel des Weges, am Ende des ersten Hauptreisestücks Afrika, verstarb Michael Glawogger an den Folgen einer Malariainfektion.
Seine langjährige Schnittmeisterin Monika Willi machte aus dem bis dahin entstandenen Material und den Blog-Texten einen Film im Geiste wie auch zum Gedächtnis Glawoggers. Kriegsverheerte Geisterstädte in Serbien, Ringer im Senegal, eine winterliche Berghütte in Italien und Goldsucher in Sierra Leone sind nur einige der Orte und Menschen, deren Bilder und Klänge hier zu einer Kinowelterfahrung verwoben wurden, nebeneinander stehen: einbeinige Fußballer in einem Bürgerkriegsland und ein einsam seinen Ball tretendes Mädchen in einem felsigen Nirgendwo; die Brutalität einer Schlägerei, die wie aus dem Nichts ausbricht, und die Stille einer Landschaft nach dem Genozid; das Aufstieben tausender Vögel in einem spätwinterlichen Marschland, das rastlose Schnüffeln und Bellen räudiger Köter am Rande einer Landstraße, und das geduldige Starren eines Esels auf einem Wüstenzug. Sie alle erzählen von der Gewaltigkeit und Ungeheuerlichkeit der Welt; dem Glück ein Anderer zu sein, wie auch der Erfahrung, dass es kein fernes Leid gibt und keine fremde Freude; und davon, dass man immer nur ein Gast ist auf Erden.

REGIESTATEMENT
Ich wollte die kraftvollen und poetischen Szenen so verdichten, dass aus dem gedrehten Material ein vielgestaltiges und bildgewaltiges Porträt der Welt hervortreten konnte, ein Abgesang auf menschlichen und tierischen Alltag.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
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Moviemento-Programmzeitung
Nr 338 - März 2017
Best of CinemaKlassik im Kino