An einer Wiener Schule lernen Kinder und Jugendliche mit Blindheit oder Seheinschränkung durch Hören und Fühlen. Mit besonderer Aufmerksamkeit für den Ton erkundet Katharina Copony deren Welt und öffnet den Film zu einem Raum sensorischer Erfahrung.
Klicklaute tönen zart aus geneigten Köpfen. Im Stiegenhaus faltet sich ein Echoraum auf. Hände streichen zart über Blätter. Ließen sich auch die Blätter der Bäume mit Kugelschreibern bemalen? Weitere Fragen, die ein sorgfältiges Abtasten der Welt ermöglichen: Welche Farbe hat eine Erinnerung? Warum klingt ein Straußenei wie eine Lampe, dafür ein Taubenei wie ein Stein?
Sensorische Erfahrungen aus einer Welt voller Oberflächen und Geräusche, Bewegungen und sich verändernder Lichtverhältnisse fließen ineinander. Kinder und Jugendliche gehen diesen konkreten Eindrücken nach, mitunter durchziehen Erinnerungen an Träume die Wahrnehmung des Moments. „Im Traum gibt es für mich keinen Geruch, da gibt es einfach nichts. Räume gibt es schon. Hell und Dunkel kann ich im Traum unterscheiden. Ich träume meist das, was ich am Tag denke.“
ÄSTEN BIS ZUM HIMMEL folgt dem Lernalltag junger Menschen mit Blindheit oder Seheinschränkung, deren Erfahrungshorizont weit über Brailleschrift und Langstöcke hinausgeht. Dabei gestaltet sich dieser feinfühlige Dokumentarfilm keineswegs zu einer Erzählung über Hindernisse und Unmöglichkeiten. Katharina Copony fokussiert vielmehr die vielfältigen Möglichkeiten, mit der Welt in Bezug zu treten, durch diese zu navigieren und sich darin zu verorten: neugierige Manöver entlang von Musik, Lyrik, Körperkontakt, Sport, Klicksonar und nicht zuletzt Freundschaft.
Spielzeiten und Tickets
AT 2026, 86 min, Deutsch OdF, R: Katharina Copony, S: Bettina Blickwede