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Der junge Karl Marx

Le jeune Karl Marx

FR/DE/BE, 2016, 118 min, Engl./OmdtU, R: Raoul Peck, K: Kolja Brandt, D: August Diehl, Stefan Konarske, Vicky Krieps, Alexander Scheer, Olivier Gourmet 


Großes historisches Kino über die Begegnung zweier Geistesgrößen, die die Welt veränderten.

Paris, 1844, am Vorabend der industriellen Revolution: der 26-jährige Karl Marx lebt mit seiner Frau Jenny im französischen Exil. Als Marx dort dem jungen Friedrich Engels vorgestellt wird, hat der notorisch bankrotte Familienvater für den gestriegelten Bourgeois und Sohn eines Fabrikbesitzers nur Verachtung übrig. Doch der Dandy Engels hat gerade über die Verelendung des englischen Proletariats geschrieben, er liebt Mary Burns, eine Baumwollspinnerin und Rebellin der englischen Arbeiterbewegung. Engels weiß, wovon er spricht. Er ist das letzte Puzzlestück, das Marx zu einer rückhaltlosen Beschreibung der Krise noch fehlt. Marx und Engels haben denselben Humor und ein gemeinsames Ziel, sie können sich hervorragend miteinander betrinken, und sie respektieren und inspirieren einander als Kampfgefährten. Zusammen mit Jenny Marx erarbeiten sie Schriften, die die Revolution entzünden sollen. Die sozialen und politischen Krisen brodeln, doch die Intellektuellen in Deutschland und Frankreich reagieren nur mit ausflüchtender Rhetorik. Marx und Engels wollen nicht mehr nur Theorie, sondern Wirklichkeit, sie wollen den Massen ein neues Weltbild geben. Doch dafür müssen sie die Arbeiterbewegung hinter sich bringen – nicht so leicht, denn mit ihrer jugendlichen Anmaßung stoßen Marx und Engels so manchen gestandenen Revolutionär vor den Kopf. Trotz Zensur, Polizeirazzien und interner Machtkämpfe lassen sie nicht nach in ihren Versuchen, eine neue Vision von menschlicher Gemeinschaft zu formulieren. DER JUNGE KARL MARX ist großes historisches Kino über die Begegnung zweier Geistesgrößen, die die Welt verändern und die alte Gesellschaft überwinden wollten. In großen Bildern und mit viel Sensibilität erzählt Regisseur Raoul Peck die Entstehungsgeschichte einer weltbekannten Idee als Porträt einer engen Freundschaft. Ihm gelingt ein so intimer wie präziser Blick in die deutsche Geistesgeschichte, die durch zwei brillante und gewitzte Köpfe seit der Renaissance nicht mehr so grundlegend erschüttert wurde.

AUGUST DIEHL ÜBER DEN FILM
DER JUNGE KARL MARX zeigt einen relativ kurzen Ausschnitt seines Lebens in der Emigration in Paris, später in Brüssel, und die Umstände, die ihn zu seinem ersten großen Werk, dem „Manifest“, geführt haben. Der Film zeigt einen jungen, sehr kämpferischen Mann, der trotz finanzieller Schwierigkeiten als Familienvater einen Weg betritt, den er als absolut notwendig empfindet. Ehrlich gesagt, haben mich seine Werke erst einmal abgeschreckt. Sie sind klug. Aber sie geben wenig Einsicht in seine Persönlichkeit. Die Briefwechsel, vor allem mit seinem Weggefährten Engels, waren da viel hilfreicher. Hier sieht man eine komplizierte Persönlichkeit. Jemand, der spottet, gerecht ist, anklagt, sich über Umstände beschwert, seine Unfähigkeit mit Geld umzugehen, seine Sehnsucht nach Luxus und Leben, seine Liebe zur Familie, seine Erschöpfung. Seinen Humor. Seinen scharfen Verstand. Seine Unerbittlichkeit. Seine Ungeduld. Ich bin sicher, er wusste sehr früh, dass er etwas in sich trägt, das die Welt verändern wird. Die Menschen damals hatten das starke Gefühl, in einer Zeitenwende zu leben. Die industrielle Revolution war dabei, die Nationen und die Menschen tiefgreifend zu verändern, und hatte vor allem eine neue Klasse hervorgebracht: das Proletariat. Heute leben wir in einer Welt, die verschärft gesagt das Ergebnis dieser Zeit ist. Des Endes des 19. Jahrhunderts. Marx hatte vieles genau prognostiziert. Er war vielleicht einer der größten Kenner des Kapitalismus – sogar bis heute. Insofern, ja, das Thema unseres Films ist ganz unheimlich zeitgemäß. Obwohl vielleicht auch wir das Gefühl haben, in einer Art Zeitenwende zu leben, sind wir um einiges passiver, hilfloser als die Menschen damals. Vielleicht werden wir in diesem Film etwas sehen, das wir verloren haben. Mut. Einsicht, dass der Einzelne es in der Hand hat, die Umstände, in denen wir leben, zu verändern. Und auch wenn ich das leider über mich selbst nicht wirklich sagen kann, ist es etwas, das mir Marx sehr nahe bringt. Bestimmtheit. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Nächste Spieltermine:

Fr. 11. August 20:45 Uhr OmU open space
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Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Der junge Karl Marx
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