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Alles was kommt

L' avenir

FR/DE 2016, 98 min, R: Mia Hansen-Løve, K: Denis Lenoir, D: Isabelle Huppert, Roman Kolinka, Edith Scob, André Marcon, Sarah Le Picard, Solal Forte 


Fesselndes und subtiles Porträt einer Frau, die in einer Lebenskrise den Mut aufbringt, sich selbst zu entdecken.

Gerade schien Nathalies Leben noch in bester Ordnung zu sein: ein Beruf mit Berufung als Philosophielehrerin, eine eigene Lehrbuchreihe, eine stabile Ehe seit 25 Jahren und zwei fast erwachsene Kinder. Doch dann wird plötzlich alles anders. Ihr Mann verlässt sie für eine andere, ihre exzentrische Mutter – die sonst Tag und Nacht um Nathalies Aufmerksamkeit buhlt – muss ins Altersheim, und der Verlag deklariert ihre Bücher als altbacken und fordert eine Rundum-Modernisierung. Doch Nathalie, die die großen Gedanken stets den großen Gefühlen vorzieht, ist fest entschlossen, erhobenen Hauptes den Widerständen des Lebens zu trotzen und offen zu bleiben für alles, was kommt.
ALLES WAS KOMMT ist ein starkes Frauenporträt und zugleich eine warmherzige Reflexion über Umbrüche, Älterwerden und Sinnsuche. Isabelle Huppert brilliert in einer Paraderolle als Nathalie und changiert subtil zwischen Trotz und Traurigkeit, Stärke und Zerbrechlichkeit. Mit feinem Gespür für leise Töne inszeniert Mia Hansen-Løve unaufgeregt und intelligent eine persönliche Suche nach neuen Wegen und wurde dafür bei der Berlinale 2016 mit dem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet.

AUS EINEM INTERVIEW MIT DER
REGISSEURIN MIA HANSEN-LOVE
In ALLES WAS KOMMT geht es um eine Lehrerin, die ihren Beruf liebt. Sie behandeln ein in Filmen oft vernachlässigtes Gebiet: die Welt der Ideen.
Nathalies Schicksal, ihre emotionale Standhaftigkeit während der Trennung von ihrem Mann, rührt aus ihrer Beziehung zum Denken und zum Lehren. Der Mangel des Kinos an Darstellungen von Intellektuellen und der Entwicklung von Ideen hat mich dazu getrieben, einen Film über eine Philosophielehrerin zu machen, die von ihrem Job besessen ist. Es gibt sehr wenige Filme, bei denen man weiß, welche Zeitung eine Figur liest, welchen Ideen sie anhängt und welchen politischen Idealen sie zugeneigt sind. Ich versuche stets, meine Figuren in der realen Welt zu verankern, aber ALLES WAS KOMMT bot mir die Chance, mich vollends dieser Beziehung zu Büchern und Ideen zu widmen. Das lässt sich nicht auf eine Beschreibung des sozialen Umfelds reduzieren. Es verlangt auch eine Form von Präzision, die man nicht ausschließlich dokumentarisch, sondern auch poetisch deuten kann. Ich bin berührt, wenn ich die Namen der Orte erfahre, die die Figuren besuchen. Genauso bei den Namen der Magazine, die sie lesen, oder der Musik, die sie hören. Patrick Modianos (französischer Schriftsteller, Anm.) Obsession mit Namen, Orten und Daten als greifbare Fixpunkte ist ein Aspekt seiner Inspiration, mit dem ich mich immer identifizieren konnte. Das hat mit der Zerbrechlichkeit des Lebens zu tun und unserem Wunsch, seine Spuren zu erhalten.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Alles was kommt
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Nr 334 - November 2016
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Film der Woche: Meine schrecklich verwoehnte Familie