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The Dark

The Dark

AT 2018, 94 min, R: Justin P. Lange, Klemens Hufnagl, K: Klemens Hufnagl, D: Nadia Alexander, Toby Nichols, Karl Markovics, Margarete Tiesel 


Langsames Horror-Drama über ein untotes Mädchen und dessen Freundschaft zu einem blinden Jungen.

Fünfzehn ist ein undankbares Alter, hat die Deutsche Juliane Werding schon 1972 gesungen. Mina würde das wohl sofort unterschreiben, denn die Teenagerin wäre schon froh, lediglich vor denselben Problemen zu stehen wie Gleichaltrige. Mina ist eine Wiedergängerin, ein untotes Mädchen, dazu verflucht, jenes Haus mitten im Wald heimzusuchen, in dem sie aufgewachsen ist: Niemand kommt rein, vor allem aber kommt niemand jemals lebend wieder heraus. Doch dann trifft Mina auf Alex, einen blinden Jungen in ihrem Alter – oder besser gesagt, in demselben Alter wie Mina zu dem Zeitpunkt, als sie gestorben ist. Und der wird selbst von einem gewaltigen Trauma gebeutelt. Denn Alex ist nicht freiwillig dort, wo er ist. Und er ist auch nicht durch eine Krankheit oder einen Unfall erblindet. Es war sein Entführer, der hagere, verhärmte Josef, der ihm das Augenlicht genommen hat, um ihn noch schutzloser und wehrloser zu machen. Mit dem Auftauchen von Mina ändert sich die Dynamik allerdings drastisch: Sie schaltet den Erwachsenen effizient und mühelos (soll heißen: durch einen Axtschlag auf dessen Kopf) aus, während sie Alex am Leben lässt. Gemeinsam wandern die beiden Verlorenen wie Kreaturen aus einer tragischen Zwischenwelt durch den dichten Wald, wo sie sich geborgener fühlen als unter Menschen – und das hat gute Gründe. Mina und Alex entwickeln mit der Zeit eine innige, vertrauensvolle Beziehung zueinander: Eindringlinge aus der echten Welt, wie etwa eine Jägertruppe auf der Suche nach dem verschwundenen Alex, werden nicht geduldet. Gemeinsam hausen sie in der tröstenden Dunkelheit des Waldes, und das führt dazu, dass Mina lange verloren geglaubte, “alte” Gefühle wiederentdeckt: Plötzlich verspürt sie Empathie und Liebe. All das kann natürlich ein Zufall sein; oder aber Mina ist vielleicht doch lebendiger als gedacht.

REGIESTATEMENT
Als ich ein Kind war, hat mich jede Nacht, nachdem meine Eltern das Licht in meinem Schlafzimmer abgeschaltet und die Tür hinter sich geschlossen hatten, ein Gefühl heimgesucht, während ich im Bett lag. Komplett umgeben von nachtschwarzer Dunkelheit, erfüllte mich eine stille Panik, die immer stärker wurde. Meine Atmung wurde flach, die Härchen auf meinen Armen und in meinem Nacken stellten sich auf, und das Herz schlug immer schneller in meiner Brust. Da draußen war irgendwas, es lauerte in der Finsternis. Ich wusste nicht, was es war. Es hatte keinen Namen. Es hatte keine Gestalt. Es machte keine Geräusche. Es war nicht einmal notwendigerweise ein Monster oder ein Geist oder ein Außerirdischer. Aber es wäre möglich gewesen. Es hätte schlichtweg alles sein können, die Möglichkeiten waren unendlich. Was immer es auch war, eines war ganz sicher: Man konnte ihm nicht vertrauen. Es war da, um mich zu finden, und es war da, um mir weh zu tun. Manchmal wünsche ich mir, ich wäre immer noch ein Kind, denn dann wäre dieses Gefühl beschränkt auf das Schlafengehen. Manchmal wünsche ich mir, dass wir als Erwachsene die Kinder einfach Kinder sein lassen würden… so lange es irgendwie möglich ist. Ich habe vor mehr als fünf Jahren mit dem Drehbuch von THE DARK begonnen. Es entstand aus einem Zorn heraus, den ich nicht mehr länger unterdrücken konnte. Als das Kreativ-Team und im Besonderen die beiden wundervollen Jungschauspieler begonnen haben, ihre Figuren genauso sensibel und achtsam zu behandeln wie ich selbst und sie mit so viel Herz zum Leben erweckt haben, habe ich das mit tiefer Anerkennung und einem Gefühl des Erstaunens beobachtet. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich Mina und Alex jetzt endlich mit allen teilen kann.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
The Dark
Moviemento-Programmzeitung
Nr 357 - Oktober 2018
Klassik im Kino 18/19Rearview
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Film der Woche: Astrid