drucken

Der Hauptmann

Der Hauptmann

DE/FR/PL 2017, 119 min, OdF, R: Robert Schwentke, K: Florian Ballhaus, D: Max Hubacher, Frederick Lau, Alexander Fehling, Milan Peschel, Waldemar Kobus, Samuel Finzi 


Kompromissloser, in Schwarzweiß erzählter Kriegsfilm über den Gefreiten Willi Herold, der in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in einer Offiziersuniform unaussprechliche Kriegsverbrechen begeht.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst, enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns hinein und verfällt dem Rausch der Macht. Die auf wahren Ereignissen beruhende Geschichte zeigt auf eindringliche Weise, wie selbst im Chaos der letzten Kriegstage etablierte Befehlsketten und Machtmechanismen funktionieren, und stellt den Zuschauer vor die Frage: Wie würde ich handeln? Nach zahlreichen Hollywood-Erfolgen kehrt Robert Schwentke mit DER HAUPTMANN nach Deutschland zurück und blickt tief in menschliche Abgründe.

AUS EINEM INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR:
DER HAUPTMANN spielt während der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und basiert auf der wahren Figur Willi Herold. Wann kam Ihnen die Idee, seine Geschichte zu verfilmen?
Der Nationalsozialismus war ein dynamisches System. Es bedurfte einer sehr großen Zahl an Menschen, die entweder mitgemacht haben oder dem Bösen aus dem Weg gegangen sind, damit diese Kulturkatastrophe passieren konnte. Mich interessierten die Täter aus den hinteren Reihen. Sie waren nicht die Architekten des Systems, dem sie dienten, sondern die Menschen von nebenan, die »kleinen Leute«, die das Nazi- System am Leben hielten. Ich wusste, ich wollte einen Film aus der Perspektive dieser Täter machen, und so begann ich, nach einer passenden Geschichte zu suchen.

Was hat Sie an der Täterperspektive fasziniert, die auch das Risiko birgt, den Verbrecher zum Helden zu machen und die Geschichte aus der Sicht einer Person zu erzählen, mit der man sich schwer identifizieren kann?
Es konfrontiert das Publikum mit anderen Fragen als ein Film, bei dem es sich mit einer moralisch aufrechten Figur identifizieren kann. Wir hoffen und stellen uns alle vor, dass wir moralisch aufrecht und mutig genug gewesen wären, um uns dem System entgegenzustellen. Doch die Geschichte und Fakten widersprechen dem. Ich wollte, dass es keinen expliziten moralischen Kompass gibt, sodass das Publikum einen eigenen Standpunkt finden und sich fragen muss: «Wie hätte ich mich verhalten?«

__Robert Schwentke gelingt mit DER HAUPTMANN das Kunststück, das vielen anderen seiner Kollegen verwehrt bleibt: Er inszeniert einen in seiner ungewöhnlichen Machart herausragenden Film über den Zweiten Weltkrieg, der über alle Maßen unangenehm ist. – Wessels-Filmkritik

__DER HAUPTMANN ist eine bittere Pille: ein verstörender Film, aus dem jede Menschlichkeit verbannt scheint, und ein kraftvoll inszenierter Blick in dunkle Abgründe. – Filmstarts.de

Nächste Spieltermine:

Mi. 20. Juni 16.15 Uhr OdF Movie 3
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Der Hauptmann
Moviemento-Programmzeitung
Nr 353 - Juni 2018
Bestes Kino EuropasSommerkino 2018Kulinarisches Sommerkino 2018Grillen Chillen KickenPremiere: TarpaulinsCreep Night #4Rearview
schliessen [X]
Film der Woche: Auf der Suche nach Oum Kulthum