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The Green Lie

The Green Lie

AT/DE/BR/ID/US 2017, 97 min, R: Werner Boote, K: Mario Hötschl, Dominik Spritzendorfer 


Umweltschonende Elektroautos, nachhaltig produzierte Lebensmittel, faire Produktion: Die Ökolügen der Konzerne und wie wir uns dagegen wehren können.

Im Jahr 2015 brannten große Teile des indonesischen Regenwalds nieder. Es war das schlimmste Umweltdesaster in der Geschichte des Landes. An den direkten Folgen starben über 100.000 Menschen, mehr als 500.000 leiden an Langzeitfolgen. Dass die Brände bewusst gelegt bzw. beschleunigt wurden, ist ein offenes Geheimnis. Ziel war es, massenweise neue Anbauflächen für die Gewinnung von Palmöl zu schaffen. Das billigste und meistverwendete Fett der Welt, zu finden in fast jedem Fertiggericht, in Süßigkeiten und Snacks, und ein enorm profitträchtiger Rohstoff.
Auf den Spuren dieses Skandals beginnt der Dokumentarfilmer Werner Boote (PLASTIC PLANET, ALLES UNTER KONTROLLE) seine Reise um die Welt, auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem allgegenwärtigen Schlagwort »Nachhaltigkeit«.
Die konzernkritische Journalistin und Buchautorin Kathrin Hartmann (»Ende der Märchenstunde«, »Aus kontrolliertem Raubbau«) ist dabei seine ebenso kompetente wie überzeugende Begleitung. Sie kennt sich aus mit dem so genannten »Greenwashing«: Der Begriff bezeichnet jene Praxis, Produkte mit Hilfe massiver PR als »nachhaltig«, »umweltschonend« oder »fair« zu verkaufen, obwohl das in Wahrheit keineswegs so ist.
»Es gibt kein nachhaltig produziertes Palmöl, weil es nur dort wächst, wo vorher Regenwald war«, macht Hartmann deutlich. Doch auch das aufwändigste Greenwashing kommt ungleich billiger als eine Veränderung der Produktionsbedingungen. »Die Industrie nennt uns nicht mehr Bürger, sie nennt uns nur noch Konsumenten. Ich verstehe mich aber nicht als Konsument, ich verstehe mich als Mensch, und als Bürger«, so Hartmann.
Wie schon in seinen bisherigen Erfolgsdokus nähert sich Werner Boote der Kernfrage seines neuen Films nicht mit analytischer Trockenheit, sondern mit ganz bewusst inszenierter, emotionaler Subjektivität – hier mit der oft kritischen Neugier eines ganz normalen Konsumenten. Kathrin Hartmann führt ihn dabei mit überzeugendem Charme und schier unendlichem Expertenwissen zu den Tricks und Lügen der Industrie. Und man kann sich der Schlüssigkeit der Erkenntnisse, die Boote im Lauf des Films gewinnt, nicht entziehen: Unsere Supermärkte sind voll mit Produkten, die so, wie sie hergestellt werden, gar nicht existieren dürften. Den Preis dafür zahlen wir – auch wenn er nicht auf der Rechnung steht. Und wenn auf einmal sämtliche Konzernbosse den Begriff »Nachhaltigkeit« in den Mund nehmen, dann wird davon nicht die Umwelt sauber, sondern höchstens das Wort schmutzig.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
The Green Lie
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Nr 350 - März 2018
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