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Licht

Licht

AT/DE, 2017, 97 min, OdF, R: Barbara Albert, K: Christine A. Maier, D: Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm, Maresi Riegner, Susanne Wuest 


Frei nach dem Roman »Am Anfang war die Nacht Musik« von Alissa Walser erzählt Barbara Albert die schicksalhafte Geschichte des Wunderheilers Franz Anton Mesmer und seiner berühmtesten Patientin Maria Theresia Paradis.

Wien, 1777. Die früh erblindete 18-jährige Maria Theresia »Resi« Paradis ist als Klavier-Wunderkind in der Wiener Gesellschaft bekannt. Nach zahllosen medizinischen Fehlbehandlungen wird sie von ihren ehrgeizigen Eltern dem wegen seiner neuartigen Methoden umstrittenen Arzt Franz Anton Mesmer anvertraut. Langsam beginnt Resi in dem offenen Haus der Mesmers, zwischen Rokoko und Aufklärung, im Kreise wundersamer Patienten und dem Stubenmädchen Agnes, das erste Mal in ihrem Leben Freiheit zu spüren. Als Resi infolge der Behandlung erste Bilder wahrzunehmen beginnt, bemerkt sie mit Schrecken, dass ihre musikalische Virtuosität verloren geht...

REGIESTATEMENT
Als ich der Figur der Maria Theresia Paradis das erste Mal begegnet bin, war ich sofort von ihr eingenommen. Die hochbegabte und sensible, von ihren ehrgeizigen Eltern und der Gesellschaft herumgeschubste, vermeintlich unattraktive Resi hat mich berührt und fasziniert – wie auch die Einblicke in die bürgerliche und aristokratische Welt des Wiener Rokoko. So erzählt LICHT von einem gesellschaftlichen System, das auf Verhinderung und Unterdrückung aufgebaut ist – und von Frauen, die versuchen, damit zurechtzukommen und ihren eigenen Raum und ihre Freiheit innerhalb dieser restriktiven Strukturen zu finden. Ich möchte LICHT nicht als Flucht in eine Ästhetik der Vergangenheit verstanden wissen, vielmehr widmet sich der Film Grundfragen der menschlichen Existenz: der fortwährenden Spannung zwischen Unterordnung und Anpassung, und der Sehnsucht, sich über das Gewöhnliche zu erheben, letztlich unsterblich zu werden. Und darüber hinaus dem Wert des Menschen an sich. Nicht zuletzt kreist alles in LICHT um die Wahrnehmung und deren Flüchtigkeit. Es geht um den Blick und ums Sehen, um diejenigen, die gesehen werden, und diejenigen, die schauen.
Barbara Albert, prämiert für ihr Debüt NORDRAND und Mitbegründerin der Produktionsschmiede coop99, meldet sich fünf Jahre nach DIE LIEBENDEN als Regisseurin zurück. Auch in LICHT ist eine junge Frau auf der Suche nach ihrer Identität. Erstmals erzählt Albert eine Geschichte aus der Vergangenheit. Sie basiert auf Tatsachen und spielt im Wien des 18. Jahrhunderts. Theresia ist von Kindheit an blind, aber ein großes Talent am Klavier, das von ihren Eltern gefördert und der adeligen Gesellschaft gerne präsentiert wird. Nur wer etwas kann, wird anerkannt. Nur wer sieht, wird gesehen, wie Theresia von ihrer Mutter und ihren Altersgenossinnen eingeschärft bekommt. Sie wird von einem Arzt bzw. Wunderheiler zum nächsten geschickt. Der neueste ist Mesmer. Er nimmt sie als Mensch ernst, stellt ihr Fragen, bis sie nicht mehr nur vorgefertigte Antworten gibt. Er berührt sie. Sie will ihm gefallen, will sich in die Gesellschaft einfügen und sehen. Und sie beginnt tatsächlich Licht zu sehen, die Welt wie ein Kind für sich zu entdecken und sich zu freuen. Zusammen mit Mesmer wird sie zur Attraktion, zum Wunder. Eine Zeit lang. Albert zeichnet die bessere Gesellschaft, aus der ihre Hauptfigur kommt, als oberflächlich, tratschsüchtig, scheinheilig, abergläubisch und vor allem wie ihre Perücken und Kleidung mit Korsetts usw. steif und einengend, zeigt den Hokuspokus, die abstrusen Séancen des Arztes, die hysterischen Reaktionen seiner Patientinnen, aber auch, wie sich Vertrautheit und Freundschaft zwischen Theresia und ihrer Kammerzofe Agnes entwickelt. Die wird beendet, als Agnes, schwanger geworden, das Haus des Doktors und seiner wohlhabenden Frau verlassen und Theresia zurück zu ihren Eltern muss. Das Licht, der Lichtblick für Theresia – und gleichzeitig das Gefühlszentrum des Films –, ist die Musik, in der die junge Frau am Klavier oder singend aufgeht und mit der sie andere Menschen berühren kann. Im Abspann des sorgfältig ausgestatteten Kostümdramas erfährt man, dass Theresias historisches Vorbild ihr Leben als Komponistin und Lehrerin der Musik gewidmet, sich emanzipiert hat. Ein zeitloses Thema, das die renommierte Filmemacherin als einprägsames Coming-of-Age-, Selbstfindungs- und Gesellschaftsdrama mit einem Hauch von Humor erzählt.

Nächste Spieltermine:

Di. 21. November 18:00 Uhr OdF Movie 3
Mi. 22. November 18:20 Uhr OdF Movie 3
Do. 23. November 18:00 Uhr OdF Movie 3
Mo. 27. November 15:10 Uhr OdF City 2
Di. 28. November 15:10 Uhr OdF City 2
Mi. 29. November 15:10 Uhr OdF City 2
Do. 30. November 15:10 Uhr OdF City 2
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Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
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Nr 346 - November 2017
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