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Die Stadt ohne Juden

Die Stadt ohne Juden

AT 1924, 87 min, stumm, R: Hans Karl Breslauer, K: Hugo Eywo, D: Johannes Riemann, Eugen Neufeld, Hans Moser, Karl Thema, Anna Milety, Ferdinand Mayerhofer 


Rechtzeitig zum Republiksjubiläum 2018 liegt DIE STADT OHNE JUDEN nun erstmals wieder in der nahezu vollständigen Originalversion vor.

Der Staat Utopia wird von Arbeitslosigkeit und einer rasch fortschreitenden Inflation heimgesucht. Während die Lebensmittelpreise explodieren, demonstrieren die Massen in den Straßen. Die antisemitischen Großdeutschen, allen voran die beiden Abgeordneten Rat Bernart und Volbert, nehmen diese Situation zum Anlass, den Juden die Schuld an der Misere zu geben. In einer Parlamentssitzung wird ihre Ausweisung beschlossen ...
Nicht nur der bisher verschollene Schluss lässt DIE STADT OHNE JUDEN in neuem Licht erscheinen, anhand der weiteren aufgefundenen Szenen erschließt sich eine dramaturgische Parallelerzählung. Bislang unbekannte Bilder zeigen das jüdische Leben in Wien mit klar antisemitischer Konnotation. Die berühmte expressionistische Szene mit Hans Moser als rabiatem Rat Bernart ist erstmals komplett überliefert. Insgesamt werden nun die politische Aussage des Films und die Darstellung des mörderischen Antisemitismus wesentlich schärfer artikuliert.

GESCHICHTE DER FILMRETTUNG
Bisher war DIE STADT OHNE JUDEN nur fragmentarisch und in Bezug auf die Handlung in einer verharmlosenden Version erhalten. Entscheidende Teile galten als verschollen. Im Oktober 2015 wurde das Filmarchiv Austria von einem französischen Sammler informiert, dass dieser auf einem Pariser Flohmarkt altes Nitrofilmmaterial gefunden habe. Eine genaue Identifikation des Titels könne er nicht vornehmen, er glaube aber, Hans Moser auf dem Film erkannt zu haben. Nach längeren Gesprächen wurde im Frühjahr 2016 schließlich die Übernahme vereinbart. Die ExpertInnen des Filmarchivs hielten das fragile Material wenig später selbst in Händen und trauten ihren Augen nicht – Filmmeter für -meter offenbarte sich, dass es sich um die lange vermissten Szenen handelt. Als das Filmarchiv Austria diese spektakuläre Wiederentdeckung vermelden konnte, sorgte dies international für Aufsehen. Aufgrund der beginnenden chemischen Zersetzung musste jedoch rasch gehandelt werden, um das Filmmaterial vor dem unwiederbringlichen Verlust zu retten. Dazu wurde vom Filmarchiv Austria die bisher größte Crowdfunding-Initiative im Kulturbereich gestartet – und mehr als 700 private FilmretterInnen haben ein kleines Wunder bewirkt: Zum ersten Mal wurde eine große Filmrestaurierung in Österreich durch das Engagement der Zivilgesellschaft ermöglicht. Mit dieser überwältigenden Unterstützung konnte ein einmaliges kulturhistorisches Dokument restauriert und für die Zukunft gesichert werden.

Nächste Spieltermine:

So. 25. November 15.30 Uhr stumm Movie 3
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Die Stadt ohne Juden
Moviemento-Programmzeitung
Nr 358 - November 2018
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