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The Cleaners

The Cleaners

DE/BR 2018, 88 min, OmdtU, R: Hans Block, Moritz Riesewick, D: Hamilton Morris, Bryan Brown, Sam Neill, Thomas M. Wright, Matt Day, Ewen Leslie 


Hochaktueller Doku-Thriller, der die Schattenseiten von Facebook und Co aufzeigt und die Arbeit von Content-Moderatoren schildert.

THE CLEANERS enthüllt eine gigantische Schattenindustrie digitaler Zensur in Manila, dem weltweit größten Outsourcing-Standort für Content-Moderation. Dort löschen zehntausende Menschen in Zehn-Stunden-Schichten im Auftrag der großen Silicon-Valley-Konzerne belastende Fotos und Videos von Facebook, YouTube, Twitter & Co. Komplexe Entscheidungen über Zensur oder Sichtbarkeit von Inhalten werden so an die Content-Moderatoren ausgelagert. Die Kriterien und Vorgaben, nach denen sie agieren, ist eines der am besten geschützten Geheimnisse des Silicon Valley. Die Grausamkeit und die kontinuierliche Belastung dieser traumatisierenden Arbeit verändert die Wahrnehmung und Persönlichkeit der Content-Moderatoren. Doch damit nicht genug: Ihnen ist es verboten, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Parallel zu den Geschichten von fünf Content-Moderatoren erzählt der Film von den globalen Auswirkungen der Onlinezensur und zeigt, wie Fake News und Hass durch die Sozialen Netzwerke verbreitet und verstärkt werden. Die utopische Vision einer vernetzten globalen Internetgemeinde wird endgültig zum Alptraum, wenn hochrangige ehemalige Mitarbeiter der Sozialen Netzwerke Einblicke in die Funktionsweisen und Mechanismen der Plattformen geben. Durch gezielte Verstärkung und Vervielfältigung jeglicher Art von Emotionen werden die Plattformen zu gefährlichen Brandbeschleunigern, die soziale, politische und gesellschaftliche Konflikte anheizen und die drohende Spaltung unserer Gesellschaft vorantreiben. Die Regisseure Hans Block und Moritz Riesewick erzählen in ihrem Debütfilm vom Platzen des utopischen Traums der Sozialen Medien und stellen die drängende Frage nach den Grenzen des Einflusses von Facebook, YouTube, Twitter & Co auf uns und unsere Gesellschaften.

REGIESTATEMENT
Zum ersten Mal ist es uns gelungen, jenen Menschen eine Stimme zu geben, die unter diesem Druck über Verbleib oder Verschwinden von Inhalten auf den Sozialen Plattformen entscheiden. Aber der Weg dahin war nicht leicht: Facebook, Twitter und Co. halten Tausende von Angestellten mit Codewörtern, Einschüchterungen und Repressalien vom Sprechen über ihre Auftraggeber ab. Als wir nach monatelanger Recherche endlich mit den jungen Arbeiter*innen in Kontakt kamen, waren wir überrascht, wie stolz viele auf ihre Arbeit als Content-Moderatoren sind. Manche empfinden sogar eine christliche Pflicht, gegen das „Böse“ im World Wide Web zu kämpfen und die Sozialen Plattformen, wie sie es nennen, „gesund” zu halten. Die Unternehmen missbrauchen das religiöse Bewusstsein der jungen Arbeiter*innen und ihren Willen, sich für die Sünder*innen dieser Welt zu opfern. Falls sie dann aufgrund dieser Arbeit schwer traumatisiert sind, wird das oft als Kollateralschaden akzeptiert. Die Symptome, die viele der Content-Moderatoren zeigen, ähneln denen von Soldaten, die vom Kriegseinsatz zurückkehren. Doch während der militärische Dienst gesellschaftlich hoch angesehen ist, müssen die Content-Moderatoren unsichtbar bleiben. In den meisten Fällen dürfen nicht mal ihre Familien erfahren, was sie jeden Tag zu sehen bekommen. Umso größer war bei vielen von ihnen das Bedürfnis, uns und der Welt zu zeigen, welch ungeheuer wichtige und herausfordernde, belastende Arbeit sie täglich leisten: welche Fotos sie moderieren, welche Videos in ihrer Erinnerung geblieben sind und auch welche Bilder leider nicht mehr verschwinden. Viele von ihnen konnten zum ersten Mal das Unbeschreibliche, das sie täglich auf den Bildschirmen zu sehen bekommen haben, mit uns teilen, verbalisieren und auch loswerden. Psychologinnen der University of the Philippines und eines Berliner Traumazentrums haben uns beim Umgang mit den traumatischen Erfahrungen der Content-Moderatoren beraten.
Was wir mit unserem Film zu enthüllen versuchen, sind aber nicht nur die Konsequenzen, die tausende von Menschen in der Dritten Welt erleiden, um unser Seelenheil zu schützen. Es sind auch die ideologischen Zusammenhänge, etwa zwischen einer Politik des „social cleansing“, die weltweit wieder salonfähig wird (der Präsident der Philippinen hat die Wahl mit dem Versprechen gewonnen, die Gesellschaft zu säubern), und dem Auftrag an die Content-Moderatoren, die Plattformen “gesund” zu halten. Wie viel Normierung wollen wir in den Sozialen Medien, die immer mehr die Rolle einer digitalen Öffentlichkeit einnehmen, akzeptieren?

__Eine solche Politik als neues globales Phänomen herauszuarbeiten und dabei die widersprüchlichen Gleichzeitigkeiten stehen zu lassen – das macht The Cleaners zu einem wichtigen dokumentarischen Beitrag wie auch einem dringend benötigten demokratischen Impuls. – Filmdienst

__Verstörend auf so vielen Ebenen. – Los Angeles Times

__Ein Film am Puls der Zeit. – The Verge

Nächste Spieltermine:

Mi. 20. Juni 16.30 Uhr OmU Movie 2
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Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
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