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Die Legende vom hässlichen König

Die Legende vom hässlichen König

DE/AT 2017, 122 min, R: Hüseyin Tabak, K: Lukas Gnaiger 


Ein Dokumentarfilm über den legendären kurdisch-türkischen Regisseur und Schauspieler Yilmaz Güney.

Man nannte ihn den hässlichen König: ein Mythos, ein Held, eine Filmlegende. Aber wer war Yılmaz Güney? Ganz sicher ein hochtalentierter Regisseur. Aber auch ein Revolutionär oder ein Mörder? Ein Genie oder ein Verrückter? Der junge Regisseur Hüseyin Tabak ist auf der Suche nach Antworten. Höhepunkt von Güneys Karriere war sicher seine Auszeichnung mit der Palme d’ Or in Cannes im Jahre 1982. YOL ist bis heute sein bekanntester Film.
Ausgangspunkt von Hüseyin Tabaks Nachforschungen wird ein Buch, das von dem kurdischen Filmemacher aus der Türkei handelt. Bald stößt er auch auf die ersten Risse und Wendepunkte in dieser Biografie: So wurde Güney zu einer Gefängnisstrafe von mehr als 100 Jahren verurteilt, offiziell für den Mord an einem Richter, doch politische Gründe liegen auf der Hand. Legendär und wohl einmalig in der Filmgeschichte ist, dass Güney selbst aus dem Gefängnis noch Filme drehte. Tabak geht unter anderem der Frage nach, wie das möglich ist. Er besucht Güneys Familie, seine Schauspieler, und ehemalige Mitgefangene, die über die Welt verstreut sind. Aber auch renommierte Filmemacher wie Michael Haneke und Costa Gavras kommen zu Wort. Er befragt Menschen auf der Straße, die Güney immer noch als Helden betrachten. Je tiefer Hüseyin in die Geschichte des legendären hässlichen Königs gräbt, desto menschlicher und verwundbarer scheint er.

REGIESTATEMENT
Alles hat einen Anfang – Freundschaft, Liebe, Leidenschaft. Die Erinnerung, wie etwas begonnen hat, ist wertvoll, sie hilft uns, die Empfindungen zu bewahren. Ein Freund, der seine Hand reicht, das Lächeln einer Frau, ein Film, der das Feuer in dir entfachte, welches immer noch lodert. Das ist das, was sich zwischen mir und Yılmaz Güney ereignete. Seine Filme haben in mir den Funken für meine Leidenschaft für das Kino entzündet. In meinen ersten Kurzfilmen habe ich es nie vergessen ihm am Ende des Abspannes zu danken. Dies führte ich auch in meinen Spielfilmen weiter. Dabei fragte ich mich jedes Mal, ob ich ihn wirklich kannte. Wie war er als Person, Regisseur, Vater und Ehemann? Was hat ihn dazu gebracht, solche Filme zu machen? Wer war er, dieser Hässliche König? 2010 schaute sich der Produzent Mehmet Aktas meinen Kurzfilm CHEESE… an, der ihm sehr gefallen hat. Er bemerkte, dass ich am Ende meines Film Yılmaz Güney dankte. Als ein leidenschaftlicher Bewunderer Güneys, rief Aktas mich direkt an und lud mich zu ihm nach Berlin ein. Er fragte mich nach den Beweggründen für diese Danksagung. Ich erklärte ihm, dass ich mich in irgendeiner Weise dazu verpflichtet fühle und es ihm schulde. Mehmet Aktas sah mich an und lächelte. Dann sagt er: »Du bist nicht der Einzige«. Er schlug vor, dass wir einen Film über Güney machen sollten – und ich, jung und leichtsinnig, nahm dieses Angebot an, ohne nochmal darüber nachzudenken. Ich verbrachte die nächsten zwei Jahre damit, mich über alle seine Filme und Bücher zu informieren. Schon bald realisierte ich, dass ich es unterschätzt hatte, das Leben einer der komplexesten Persönlichkeiten unter den Filmemachern wiederzugeben. Je mehr ich mich mit ihm auseinandersetzte, desto schwieriger wurde es für mich ihn zu verstehen. Dadurch fuhr ich jedoch nur noch willensstärker mit meinen Recherchearbeiten fort. Ich erfuhr nicht nur etwas über die Heldengeschichte, sondern lernte auch seine Schattenseite kennen, die ihn aber auch menschlicher machte. Ich lernte etwas über seine Vergangenheit, seine Lebensgeschichte und es wurde mir bewusst, dass ich weit darüber hinausgehen musste, nur seine Filme zu analysieren. Es gibt Millionen von Güney Anhängern in der Welt. An alle von ihnen: Er ist ein Held! Aber wie stelle ich eine Person als Held dar, der seine Frau mit seinem Auto überfährt, ein schlechter Vater ist und einen Mann getötet hat?

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Die Legende vom hässlichen König
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