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L'Animale

L'Animale

AT 2018, 93 min, R: Katharina Mückstein, K: Michael Schindegger, D: Sophie Stockinger, Kathrin Resetarits, Dominik Warta, Julia Franz Richter, Jack Hofer, Stefan Pohl 


Mati ist Teil einer Burschenclique, in der sie sich sehr wohl fühlt. Als sich ihr bester Freund Sebastian in sie verliebt, gerät aber so einiges ins Wanken.

Anscheinend haben alle ihren Platz gefunden: Mati und ihre Burschenclique sind die Helden des Dorfes, wenn sie auf getunten Mopeds die Gegend unsicher machen. Matis Eltern Gabriele, eine Tierärztin, und Paul, ein Baugutachter, stehen mitten im Leben und müssten bloß noch die letzten Arbeiten am Rohbau ihres Hauses abschließen. Als Mati jedoch Carla kennenlernt, gerät alles ins Wanken. Die Begegnung mit dem selbstbestimmten Mädchen zeigt Mati, wer sie wirklich sein könnte: lebendig und offen und ganz anders als in ihrer kompetitiven, betont coolen Clique. Und dann verliebt sich Matis bester Freund Sebastian auch noch in sie und will, dass Mati endlich vom Kumpel zur Geliebten wird. Verliert Mati nun ihren Platz in der Männerrunde? Währenddessen wird die Welt der Eltern ganz plötzlich erschüttert. Gabriele kommt Pauls gut gehütetem Geheimnis auf die Spur: Geht es vorbei, oder soll sie ihn zur Rede stellen? Aber auch Paul gerät zunehmend unter Druck, seiner eigenen Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Schließlich stehen alle Figuren vor derselben Entscheidung: Was zählt mehr, Schein oder Sein?
Katharina Mückstein überzeugt einmal mehr als feine Seismografin gesellschaftlicher Wirklichkeiten – und wie bereits in Mücksteins Debütfilm TALEA erweist sich Shooting-Star Sophie Stockinger als Glücksfall für den Film. In weiteren Rollen glänzen u. a. Kathrin Resetarits, Dominik Warta und Julia Franz Richter.

REGIESTATEMENT
Während der Arbeit am Drehbuch zu L’ANIMALE hat mich eine große Widersprüchlichkeit unserer Zeit beschäftigt: Wir idealisieren die Individualisierung und unterwerfen uns zugleich – oft ohne es zu merken – erneut großen äußerlichen Zwängen. Vor nicht allzu langer Zeit war es ganz eindeutig, wogegen man rebellieren soll – Konventionen, Ungerechtigkeit, Unterdrückung –, doch was uns heute unfrei macht, ist sehr komplex und schwerer zu erfassen. Die Figuren in L’ANIMALE könnten ganz objektiv gesehen tun, was sie wollen. Innerlich jedoch kämpfen sie mit einem Gefühl der Unfreiheit und einer großen Sehnsucht nach Veränderung und Wahrhaftigkeit. Als Autorin interessiert mich das Mensch-Sein an jenen Stellen, an denen Wollen und Sollen aufeinanderprallen und Figuren, die zwischen Angst und Mut schwanken. Der Entstehung von Konventionen, Meinungen und Strukturen des Zusammenlebens liegt immer zuerst ein Gefühl zugrunde. Ich versuche, diese Wechselwirkung des Persönlichen und des Politischen in meinen Filmen sichtbar zu machen.
Ich habe während der Arbeit an L‘ANIMALE oft an Kostümfilme gedacht und die tragischen Figuren und Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts, die von der Unmöglichkeit des Seins in einer Welt erzählen, die von strengsten Konventionen dominiert ist. L‘ANIMALE ist meine persönliche Antwort auf die Frage, wie frei wir modernen Menschen wirklich sind.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
L'Animale
Moviemento-Programmzeitung
Nr 350 - März 2018
Klassik im Kino 18/19Rearview
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Film der Woche: Astrid