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Django – Ein Leben für die Musik

Django

FR 2017, 115 min, R: Etienne Comar, K: Christophe Beaucarne, D: Reda Kateb, Cécile De France, Beata Palya, Bim Bam Merstein, Gabriel Mirété, Vincent Frade 


Porträt der Gypsy-Swing-Legende Django Reinhardt, das die Lebenslust seiner Musik und seiner Person transportiert und gleichzeitig Anklage gegen Völkermord erhebt.

Frankreich, 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist auf dem Gipfel seines Erfolges. Abend für Abend spielt er in ausverkauften Sälen und begeistert das Publikum mit seinem Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebenslust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht entziehen können. Während andere Sinti in ganz Europa verfolgt werden, kann sich Django aufgrund seiner Popularität in Sicherheit wiegen – bis ihn die Nationalsozialisten auf Tournee nach Deutschland schicken wollen. Django weigert sich. Seine Pariser Geliebte hilft ihm, mit seiner schwangeren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unterzutauchen. Hier trifft er auf Mitglieder seiner weitverzweigten Familie, die ebenfalls auf der Flucht sind. Über den Genfer See will er in die Schweiz gelangen, doch die Nazis sind ihm dicht auf den Fersen.
In seinem Regiedebüt porträtiert Étienne Comar einen unkonventionellen Künstler und Freigeist, dessen Leben so improvisiert war wie seine Musik. Vor die Frage gestellt, ob er seine Kunst politisch missbrauchen lässt, muss er eine existenzielle Entscheidung treffen. Reda Kateb brilliert in der Rolle des Ausnahme-Künstlers an der Seite von César-Gewinnerin Cécile de France.

AUS EINEM INTERVIEW
MIT DEM REGISSEUR
Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über Django Reinhardt zu machen?
Ich wollte schon lange das Porträt eines Musikers machen, der sich mit den Härten des Lebens auseinandersetzen muss. Als ich etwa 40 Jahre alt war, habe ich wieder angefangen, mit ein paar Freunden in einer Rockband zu spielen. Was für ein Erlebnis! Es war faszinierend. Ich hatte vergessen, wie leicht man sich selbst von der Außenwelt abnabeln kann, wenn man Musik spielt. Jeder von uns machte eine ziemlich komplizierte Zeit durch, und das gemeinsame Musizieren wirkte sehr befreiend. Der musikalische Schaffensprozess ist eine Droge, die einen packt und nicht wieder loslässt. Dann fiel mir ein Gespräch ein, das ich als Teenager mit meinem Vater geführt habe. Er hat als junger Mann während des Krieges Djangos Musik gehört, und so lange, wie die Schallplatte lief oder der Tanz dauerte, vergaß er die deutsche Besatzung. Und dann war da noch mein Neffe, der gerade begonnen hatte, Gitarre zu lernen und wie verrückt Stücke von Django zu spielen. Ich kam zu dem Schluss, dass generationsübergreifende Musik wie diese, mit ihrem Charme und der Fähigkeit, sofort Freude auszulösen, etwas Verzauberndes, Vitales und Heilsames innehat. Und all das hat dazu geführt, dass ich beschloss, filmisch in das Leben von Django Reinhardt einzutauchen.

Warum haben Sie sich auf die Jahre der Besatzung konzentriert?
Weil diese Periode seines Lebens ein gutes Beispiel dafür ist, wie Musik einen von der Welt abschirmen kann. Swing war offiziell verboten, Sinti und Roma wurden überall in Europa verfolgt, aber Django schien das gar nicht zu bemerken. Er war auf dem Gipfel seines Erfolges. Außerdem ist von diesem Lebensabschnitt nicht viel bekannt – wir wissen mehr über die Zeit danach, als er in die USA emigriert war. Oder über das Feuer in seinem Wohnwagen oder seine Zusammenarbeit mit Grappelli. Ich wollte kein Biopic über Django machen, das einen oberflächlichen Blick auf sein gesamtes Leben wirft. Mir lag mehr daran, den richtigen Zugang zu finden. Dieser Zeitabschnitt vom Sommer 1943 bis zur Befreiung hat es mir erlaubt, Themen anzuschneiden, die mir wichtig sind und mich bewegt haben – vor allem seine Blindheit als Künstler für das, was zu der Zeit vor sich ging, und seine spätere Erkenntnis darüber.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Django – Ein Leben für die Musik
Moviemento-Programmzeitung
Nr 348 - Jänner 2018
Klassik im Kino 18/19Rearview
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Film der Woche: Astrid