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Belle de jour – Schöne des Tages

Belle de jour

FR/IT, 1967, 100 min, Franz./OmdtU, R: Luis Buñuel, K: Sacha Vierny, D: Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page, Pierre Clémenti, Françoise Fabian 


Catherine Deneuve in einem Drama um die sexuelle Verweigerung und ausgelebten Fantasien einer verheirateten Frau.

Séverine, die mit ihrem Mann Pierre nicht intim werden kann, kompensiert ihre sexuelle Frustration mit masochistischen Phantasien. Die Neugier treibt sie in ein Bordell, wo sie – ohne dass Pierre etwas ahnt – als »Schöne des Tages« das dritte Mädchen wird, das für Madame Anaïs arbeitet. Indem sie die Bedürfnisse ihrer Kunden befriedigt, scheint sie zugleich ihren inneren Frieden gefunden zu haben. Doch das Arrangement kippt, als Marcel, ein leicht aufbrausender Stammkunde, darauf besteht, Severine für sich alleine zu haben. In seinem kommerziell erfolgreichsten Werk richtet Luis Buñuel seinen Blick einmal mehr hinter die Fassaden des großbürgerlichen Milieus und dessen sexuelle Perversionen. In nicht eindeutig voneinander zu trennenden Wirklichkeits- und Traumsequenzen glänzt Catherine Deneuve als »Belle de Jour«.

Über die Restaurierung in 4K zum 50. Jahrestag von BELLE DE JOUR
Die Restaurierung von BELLE DE JOUR erfolgte direkt vom ursprünglichen Filmnegativ in 4K. Die 4K-Auflösung machte es möglich, alle Bild-Informationen des auf 35-mm-Material gedrehten Films zu verwenden und so die Schärfe und Eleganz von Sacha Viernys ursprünglicher Arbeit zu erhalten. Der Ton wurde aus der originalen Mischung, wie sie auf dem 35-mm-Film vorhanden ist, digital restauriert.

Statement des Drehbuchautors Jean-Claude Carrière
1966 schlugen die Hakim-Brüder, renommierte Produzenten »kommerzieller Filme«, dem Regisseur Luis Buñuel vor, den Joseph-Kessel-Roman »Belle de jour« zu adaptieren. Buñuel war von dem Vorschlag nicht wirklich überzeugt und legte mir seine Vorbehalte detailliert in einem langen Brief dar. Dennoch entschied er sich dazu, das Angebot zu akzeptieren. Viele meiner Freunde, vor allem Louis Malle, waren überrascht. »Was reizt Luis nur an diesem trivialen Stoff?«, dachten sie.
Als wir unsere Arbeit begannen, war uns bewusst, dass sich da zwei Männer, einer von ihnen ein Spanier, in die selten besuchten Gebiete weiblicher Erotik wagten, jenen Bereich, den Freud den »Dunklen Kontinent« genannt hatte. Natürlich war uns klar, dass wir das Risiko eingingen, grandios zu scheitern. Die Gefahr, in die wir uns begaben, war für uns von Anfang an erkennbar. Dafür war sie einfach zu offensichtlich. Also haben wir uns vorbereitet und recherchiert, indem wir Bordelle besucht haben, die meisten davon in Madrid, um mit Puffmüttern und Betreibern zu sprechen. Sie berichteten offen und unverblümt von unzufriedenen Frauen aus dem Bürgertum, die nachmittags in ihre Etablissements kamen. Das machte uns klar, dass die Hauptdarstellerin Séverine nicht nur sexuelle Phantasien pflegt, sondern dass wir sie vor allem visualisieren müssten, was im Roman nicht stattfindet. Gleichzeitig wussten wir, dass es uns nicht zustand, sie zu erfinden. Deshalb befragten wir alle möglichen Frauen, und einige von ihnen, auch welche, mit denen wir eng befreundet waren, vertrauten uns ihre geheimsten Begierden an. Natürlich haben wir uns die besten Geschichten rausgesucht, aber alle Phantasien, die wir im Film darstellen, sind wahr und wurden uns von Frauen erzählt. Die anderen Aspekte der Geschichte, die erzählte »Realität«, also Séverines Eheleben, ihre Beziehung zu ihren Freunden, den Verlauf der Handlung, haben wir nur geringfügig verändert. Die merkwürdige Atmosphäre des Films entsteht aus dem Kontrast zwischen der Realität eines »Trivialromans«, in Wirklichkeit einer unechten Realität, einer konventionellen Falschheit, und der brutalen Wahrheit der dargestellten Phantasien. Insofern ist das »Echte« falsch und das Imaginäre echt. Was übrigens die berühmte »kleine Kiste« angeht, die so viele Fragen aufwirft, so sieht in ihr ein jeder, was er oder sie will.
Es ist unvermeidlich, hinzuzufügen, dass die moderne Technologie, die von Tag zu Tag ausgereifter wird, es möglich macht, einem Film neue Tiefe und neue Dichte zu geben, ohne dass dabei die Schönheit des Bildes leidet. Es ist, als ob ein unerwartetes Licht diese längst klassische Geschichte erleuchtet. Es ist ein bisschen so, als ob Séverine neue Risiken eingeht, um ihre Begierden letztendlich doch zu erfüllen.

Nächste Spieltermine:

Fr. 20. Oktober 16:15 Uhr OmU Movie 1
Sa. 21. Oktober 16:15 Uhr OmU Movie 1
So. 22. Oktober 11:00 Uhr OmU Movie 1
Mo. 23. Oktober 16:15 Uhr OmU Movie 1
Mi. 25. Oktober 16:15 Uhr OmU Movie 1
Do. 26. Oktober 16:15 Uhr OmU Movie 1
Zum Reservieren klicken Sie bitte auf den gewünschten Termin. Bitte beachten Sie, dass u. U. nicht für jede Vorstellung reserviert werden kann.
Programmänderungen (auch Saalwechsel) vorbehalten.
Belle de jour – Schöne des Tages
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