drucken

Happy End

Happy End

FR/AT/DE, 2017, 110 min, R: Michael Haneke, K: Christian Berger, D: Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant, Toby Jones, Mathieu Kassovitz, Franz Rogowski 


»Rundherum die Welt und wir mittendrin, blind.« Die Momentaufnahme einer bürgerlichen europäischen Familie.

Vergeben und vergessen ist die Sache von Michael Haneke nicht, dem unbarmherzigsten und unbestechlichsten aller Chronisten der Conditio humana. Mit DAS WEISSE BAND und LIEBE hatte er seine Meisterschaft perfektioniert und war mit jeweils einer Goldenen Palme belohnt worden. Fünf Jahre hat es gedauert, bis der mittlerweile 75-jährige, in München geborene Österreicher, der seit fast zwei Jahrzehnten aus Frankreich heraus arbeitet, zurückgekehrt ist. HAPPY END lautet der vielversprechende Titel, denn was darf man von einem Haneke-Film mit einiger Sicherheit nicht erwarten? Einen glücklichen Ausgang. Wie man sofort merkt, dass man sich in einem Film des Regisseurs befindet. Seine Lieblingsschauspieler hat er um sich versammelt, Isabelle Huppert und Jean-Louis Trintignant, neben ein paar neuen Akteuren, neben Mathieu Kassovitz und Toby Jones auch der Deutsche Franz Rogowski. Um die sorgfältig gehüteten Geheimnisse eines Familienclans in Calais geht es. Die Flüchtlingskrise ist allgegenwärtig, spielt für die Handlung aber nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn sich explizit alles um Flucht drehen mag.
Wenn man denn von einer Handlung sprechen kann. Als wüsste er selbst genau, dass er die Eleganz und Präzision von LIEBE nicht toppen könne, ist HAPPY END eher ein Essay, eine Ansammlung von Skizzen und Fragmenten, worin es weniger darum zu gehen scheint, noch einmal auf Teufel komm raus eine Palme gewinnen zu wollen, sondern noch einmal Positionen und Aussagen zu behandeln und zu bestärken. Der Film fühlt sich wie ein Abschied an. Wenn schon nicht von Haneke – wer weiß –, dann doch von dem großen Jean-Louis Trintignant, der in diesem Jahr 87 wird und zerbrechlich aussieht, durchsichtig, als wäre er schon fast nicht mehr da, aber doch immer noch die Präsenz besitzt, dass man ihm unweigerlich zusieht, wenn er im Bild ist. Es mag sich noch viel mehr tun in HAPPY END, Männer mit perversen Fantasien, an sich selbst scheiternde Söhne, eiskalte Matriarchinnen – und vor allem eine Enkelin, die nicht nur vor Mord und Suizidversuchen nicht zurückschreckt, sondern ihr Verhalten – BENNYS VIDEO und FUNNY GAMES lassen grüßen – auch noch mit Kommentaren auf ihrem Smartphone festhält. Aber im Grunde geht es doch um den alten Mann, der – wie die anderen auch – ein Gefangener ist, dem aber nach einem gescheiterten Selbstmord im Auto die Möglichkeit genommen ist, sich seinen noch verbliebenen Wunschtraum zu erfüllen, weil er an den Rollstuhl gefesselt und handlungsunfähig ist. In einem Geständnis seiner Enkelin gegenüber offenbart er sich als der Mann in LIEBE, der seine kranke Lebensgefährtin erstickte. Und nun will er ein Happy-End, das sich womöglich in dem pittoresken blauen Meer findet, das auf dem Poster zu sehen ist, das einen in Cannes seit Tagen anlacht. Und in Wahrheit verspottet. – Blickpunkt:Film

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Happy End
Moviemento-Programmzeitung
Nr 345 - Oktober 2017
Bestes Kino EuropasRettet das Kulturland OÖKIK 2017/18Berliner Philharmoniker: Silvesterkonzert 2017/18Special: Fernando SolanasDer letzte Film des Jahres
schliessen [X]
Film der Woche: Lieber Leben