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Die dritte Option

Die dritte Option

AT, 2017, 78 min, R: Thomas Fürhapter, K: Judith Benedikt, Manuel Zauner, D: mit den Stimmen von Roman Blumenschein, Susanne Gschwendtner, Eva Herzig, Lukas Johne, Sarah Jung, Bernhard Karner 


Brisante Doku über die biopolitischen Implikationen der Pränataldiagnostik, die die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen erlaubt.

Was tun, wenn man erfährt, dass man ein behindertes Kind erwartet? Ausgehend von dieser Frage entwickelt Thomas Fürhapter seinen komplexen filmischen Essay: DIE DRITTE OPTION setzt Einzelschicksale im Zeitalter von Pränataldiagnostik und Biopolitik in einen radikal gegenwärtigen und gesellschaftspolitischen Zusammenhang. Schicht um Schicht wird der Blick freigeräumt auf grundsätzliche Fragen zu Geburt, Ethik und Norm – so wird das, was nur wenige betrifft, zu etwas, das alle angeht.
Wenn man Eltern fragt, was ihnen im Leben am wichtigsten ist, dann ist die häufigste Antwort: »Dass meine Kinder gesund sind.« Nicht nur wissenschaftliche Neugier, auch dieser zutiefst menschliche Drang, unseren Nachwuchs zu beschützen, ist es, der die stetige Entwicklung der Pränataldiagnostik antreibt: die Untersuchung von Föten und schwangeren Frauen, um schon frühzeitig eventuelle Krankheiten oder Behinderungen festzustellen, via Ultraschall, Blutanalyse bis zu invasiven Methoden wie Fruchtwasseranalyse oder Biopsie. Das Risiko, ein Kind mit Behinderung zur Welt zu bringen, liegt bei etwa drei Prozent – ein Sechstel davon kann schon vor der Geburt diagnostiziert werden. Doch umfassenderes Wissen und größerer Entscheidungsspielraum bringen auch größere Verantwortung mit sich. Wenn die werdenden Eltern mit der Nachricht, dass ihr Kind höchstwahrscheinlich oder sicher behindert zur Welt kommen wird, konfrontiert werden, liegt es an ihnen – bzw. der Mutter –, die Entscheidung zwischen Tod und Leben zu treffen. Unsere Gesellschaft fordert diese Entscheidung und verlangt auch, direkt oder indirekt, von den Betroffenen Rechtfertigung. Doch die Last der Entscheidung, deren mittelbare und unmittelbare Konsequenzen, werden von der Gesellschaft nur zu einem kleinen Teil übernommen und liegen fast völlig auf den Schultern der Frau.
DIE DRITTE OPTION ist ein filmischer Essay, der keine Fragen beantwortet – und sich auch nicht anmaßt, ein moralisches Urteil zu fällen. Aber er traut sich, die Fragen, die sich bei diesem brisanten Thema auftun, laut und klar zu stellen. Allen voran: Sind wir eigentlich noch normal?

__ Indem Fürhapter eine Text-Bild-Schere herstellt, keine O-Töne verwendet und die Bilder nüchtern und distanziert komponiert, nimmt er dem sehr schwierigen Thema seine Emotionalität und erweitert den bekannten Diskurs sorgsam um spannende Fragen, die uns alle etwas angehen. Ein herausfordernder Film, der bei seinem Kinostart im Herbst bestimmt für Diskussionen sorgen wird. – Kleine Zeitung

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Die dritte Option
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Nr 344 - September 2017
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