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Frühstück bei Monsieur Henri

L' étudiante et Monsieur Henri

FR 2015, 95 min, R: Ivan Calbérac, K: Vincent Mathias, D: Claude Brasseur, Guillaume de Tonquedec, Noémie Schmidt, Frédérique Bel, Thomas Solivéres, Valérie Kéruzoré 


Komödie über einen älteren Herrn, der in eine WG mit einer jungen Frau zieht.

Monsieur Henri ist ein mürrischer alter Herr und stolz darauf. Er lebt allein mit einer Schildkröte in einer viel zu großen Pariser Altbauwohnung und ärgert sich – über die Ehefrau seines Sohnes, die jungen Leute von heute oder was sonst so anfällt. Doch weil Henris Gesundheit letzthin etwas nachgelassen hat, beschließt sein Sohn Paul, dass es Zeit wird für eine Mitbewohnerin. Mit der chronisch abgebrannten Studentin Constance kommt ihm eine junge Dame ins Haus, die all das hat, was Henri auf den Tod nicht leiden kann, die seine Pantoffeln klaut und unerlaubt das Klavier benutzt. Bei aller Stichelei akzeptieren sich Constance und Henri bald zähneknirschend als Komplizen. Weil sich Constance die Miete eigentlich nicht leisten kann, bietet Henri ihr ein skurriles Geschäft an: Wenn sie es schafft, seinem Sohn Paul so lange schöne Augen zu machen, bis der seine Ehefrau verlässt, ist die Miete umsonst. Mehr übel als wohl willigt Constance ein. So stolpert der ahnungslose Paul in seinen zweiten Frühling und Constance in eine schrecklich nette Familie, die dank Monsieur Henri heillos im Chaos versinkt. FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI ist eine wunderbare Wohnkomödie aus Frankreich. Mit großer Heiterkeit inszeniert Regisseur Ivan Calbérac die hochkomischen Verwicklungen einer hinreißenden Wohngemeinschaft, die einen grimmigen Herrn das Fürchten und das Lieben lehrt.

AUS EINEM INTERVIEW
MIT DEM REGISSEUR Ivan Calbérac
Wie kam Ihnen die Idee zu FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI?
Es waren zwei Dinge, die ich machen wollte: zum einen zwei Menschen an sehr unterschiedlichen Momenten in ihrem Leben zusammenbringen, eine Person, die noch am Anfang ihres Weges steht, und eine, die auf das Ende zusteuert. Ich wollte auch eine Geschichte schreiben, in der die Hauptfigur am Ende genau das Gegenteil von dem bekommt, was sie sich anfangs gewünscht hat. Ich liebe diese Ironie, die ich in meinem Alltag oft erlebe: Wenn man ein Ziel verfolgt, bewirkt man manchmal unbewusst das Gegenteil. Von diesen beiden Ideen ausgehend habe ich die Handlung entwickelt und Themen eingebaut, die mich seit eh und je fasziniert haben, wie die Notwendigkeit, sich von inneren Blockaden freizumachen, die durch unsere Erziehung entstanden sind, um das zu erreichen, was wirklich zu uns passt. Der folgende Satz eines weisen amerikanischen Ureinwohners schwirrt mir oft im Kopf herum: »Frei sein bedeutet von den Eltern frei zu sein, nichts anderes.« Der Film erzählt viel darüber, denke ich.

Warum haben Sie die Komödie gewählt, um sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen?
Zuallererst, weil es meiner Persönlichkeit entspricht. Zweitens, weil die Komödie eine Versöhnung mit der Realität ermöglicht. Das ist die ideale Form, um sich mit etwas Tragischem auseinanderzusetzen. Sobald man über ein Problem lachen kann, relativiert es sich ein wenig und wird klarer. Der französische Komödiant Coluche sagte einmal: »Lachen ist wie ein Scheibenwischer, es stoppt den Regen nicht, aber es hilft einem, klarer zu sehen.« Außerdem ist FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI für mich sowohl eine Charakterkomödie, die sich auf die Dialoge zentriert, auf die Wortschlachten, als auch eine dramatische Komödie. Je weiter die Handlung fortschreitet, umso mehr Tiefe bekommt der Film und umso mehr treten die Wunden der Figuren zutage.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Frühstück bei Monsieur Henri
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Nr 331 - Juli/August 2016
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Film der Woche: Meine schrecklich verwoehnte Familie