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Ein Sommer in der Provence

Avis de mistral

FR 2014, 104 min, R: Rose Bosch, K: Stéphane Le Parc, D: Jean Reno, Anna Galiena, Chloé Jouannet, Hugo Dessioux, Aure Atika, Hugues Aufray 


Tragikomödie über das Zusammenfinden einer Familie mit Jean Reno als Großvater, der sich durch die Begegnung mit seinen Enkeln der Gegenwart öffnet.

Für Léa, Adrien und ihren kleinen Bruder Théo stehen die Ferien vor der Tür. Dieses Jahr fahren sie das erste Mal zu ihrem Großvater Paul, den sie wegen eines Familienstreits nie zuvor kennengelernt haben. Das Reiseziel – die Provence: Wohl kaum der Urlaub, von dem die drei träumen. Auch die Freude von Großmutter Irène über diesen Familienurlaub ist da kein Trost. Hinzu kommt, dass ihnen der Vater ausgerechnet am Tag vor der Abreise sagt, dass er die Familie verlassen wird. Also nicht gerade die besten Aussichten auf gute Laune und eine spaßige Ferienzeit. Kaum in der Provence angekommen, prallen auch schon die Differenzen der beiden Generationen aufeinander. Zwischen den Jugendlichen und ihrem Großvater, der, wie die Kids meinen, ein sturer Esel ist, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten. Dabei spielt auch Pauls turbulente Vergangenheit immer wieder eine Rolle. Es beginnt ein chaotischer Sommer in der malerischen Provence, in dem beide Generationen versuchen, das Miteinander zu meistern, die Vergangenheit zu verarbeiten und sich vor allem daran zu erinnern, dass sie trotz aller Widersprüche eine Familie sind.
Nach dem Kriegsdrama DIE KINDER VON PARIS überrascht Rose Bosch mit EIN SOMMER IN DER PROVENCE das Publikum nun mit einer liebevollen Hommage an ihren Heimatort und widmet sich mit viel Feingefühl dem Thema Generationenkonflikt zwischen Großvater und Enkeln. Jean Reno, der schon in DIE KINDER VON PARIS zu sehen war, schlüpft in EIN SOMMER IN DER PROVENCE in die Rolle des Großvaters Paul, der sich plötzlich mit seinen Enkeln konfrontiert sieht. Auf sensible Weise gelingt es Rose Bosch, eine Familie in all ihren kontrastreichen Facetten zu porträtieren, jedem Familienmitglied eine eigene Stimme zu verleihen und selbst heikle Themen mit unverkrampfter Leichtigkeit zu behandeln.

AUS EINEM INTERVIEW MIT ROSE BOSCH Man sagt, ein Film grenzt sich immer vom vorigen ab. Trifft das hier zu?
Nach DIE KINDER VON PARIS, wo die Kulissen zwangsläufig eine abgeschlossene Welt darstellen, wollte ich diesmal im Süden drehen, in den Alpillen, wo ich aufgewachsen bin, mir jeder Winkel vertraut ist und ich so viel Zeit wie nur möglich verbringe. Ich wollte Bilder von weitläufigen Horizonten, Freiheit und Lebensgefühl einfangen, einen lichtdurchfluteten Film machen. Und von dem einzig wahren Trost erzählen, den einem das Altern zu bieten hat: den Beziehungen, die bleiben, und das sind die familiären und freundschaftlichen.

Woher stammt die Grundidee zum Film?
Von meinen Großeltern. Ich habe sie zwar kaum gekannt, aber ich habe eine poetische Erinnerung an sie. Ich wollte einen Clash der Generationen beschreiben, der bislang wenig Beachtung fand: den zwischen Großeltern und Enkeln. Mir gefällt die Tatsache, dass die heutigen Großväter die Hippies von gestern sind. Die damals gegen Vietnam protestiert haben, Woodstock kannten, den Konsum verurteilten... Diese Generation sieht sich konfrontiert mit der »Generation Y«, den »Digital Natives« – auflehnend, aber hoffnungslos dem Konsum verfallen.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Ein Sommer in der Provence
Moviemento-Programmzeitung
Nr 308 - September 2014
Klassik im Kino 18/19Rearview
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Film der Woche: Astrid