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Private Revolutions

Private Revolutions

AT 2014, 98 min, R: Alexandra Schneider, K: Sandra Merseburger, A. Schneider 


Im Arabischen Frühling begleitete die Wiener Regisseurin Alexandra Schneider vier Frauen, die für ihre Ideale kämpfen.

Vier junge Ägypterinnen kämpfen für die Verbesserung ihrer Welt: Amani engagiert sich mit einer eigenen Radiostation und einem Verlag für mehr Frauenrechte und stößt mit ihrem unverheirateten Businessdasein ihre Umgebung vor den Kopf. Fatema zerreißt es zwischen ihrer politischen Karriere bei den Muslimbrüdern und ihren Verpflichtungen als Mutter und Ehefrau. Die Nubierin May beendet ihren erfolgreichen Job als Bankerin, um ein Entwicklungsprojekt im konservativen Süden Ägyptens aufzubauen. Sharbat widersetzt sich ihrem Mann und ihrem sozialen Umfeld und riskiert alles, wenn sie gemeinsam mit ihren Kindern in den Straßen Kairos gegen das herrschende Militärregime demonstriert.
Mit ihrem Engagement stoßen sie an die Grenzen einer männerdominierten Welt, aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Sie sind souverän, wortgewandt und zielstrebig. Amani, Fatema, May und Sharbat rütteln an unseren Klischees über die islamische Frau in der arabischen Welt. Wir sind mitten in gelebter ägyptischer Frauenpower. Und eine Filmemacherin auf der Suche nach Verständigung entdeckt, dass das Politische auch privat, das Selbstverständliche eher die Ausnahme und das eigene Frauenbild ein Kaleidoskop ist.

AUS EINEM INTERVIEW MIT
REGISSEURIN ALEXANDRA SCHNEIDER
Was hat Sie mit der Filmkamera in den Arabischen Frühling geführt?
Die Neugierde. Ich war sehr berührt von den Themen, für die die Menschen auf die Straße gingen: Themen wie Freiheit, Solidarität, Brüderlichkeit. Der Slogan lautete: »Brot, Freiheit und mehr soziale Gerechtigkeit«. Die Slogans bezogen sich nie »gegen Mubarak« oder »gegen etwas«, sondern von Beginn an »für etwas«. Es hat mich persönlich begeistert, dass ganz junge Frauen plötzlich von sich reden machten, und zwar nicht die altbekannten Feministinnen. Zum Beispiel Asma Mahfouz, die zu Hause am Computer ein Video gedreht hat und sagt: »Ich werde morgen am Tahrir-Platz stehen, und wenn ich mit meinem Schild dort alleine stehe und rund um mich hunderte Polizisten, dann sind nicht nur sie daran schuld, sondern auch ihr, denn ich kämpfe für mehr Gerechtigkeit für uns alle.« Es hat mich beeindruckt, dass Frauen da so aktiv sind. Eine Freundin, die in ihrer Kindheit in Ägypten aufgewachsen und jetzt Fotografin ist, war bereit, mit mir nach Ägypten zu fahren, Daniela Praher, die Produzentin, war auch sehr angetan, und wir beschlossen, zunächst zur Recherche nach Ägypten zu reisen, um herauszufinden, was denn überhaupt machbar sei. Die Freundin hatte noch Kontakt zu ehemaligen Schulfreundinnen, da trafen wir schon auf viel positives Feedback. Die Grünen im Europa-Parlament unterstützten uns ebenfalls. Sie luden uns nach Brüssel ein, wo eine Delegation junger Ägypterinnen zu Gast war, mit denen wir in Kontakt treten konnten. Bei unserer Recherche-Reise im Juni 2011 herrschten noch große Euphorie und Stolz in Ägypten, dass sie es geschafft hatten. Es war Aufbruchsstimmung und große Offenheit. Das hat sich dann stark gewandelt. Die Drehbedingungen wurden zu einem späteren Zeitpunkt sehr unlustig. Da hatten wir uns aber bereits eine solide Basis und einen guten Kontakt zu unseren Protagonistinnen aufgebaut. Im Juni haben wir uns mit mehr als 20 Frauen getroffen, damit kam alles ins Rollen.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
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Nr 313 - Februar 2015
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