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Romanverfilmung von Harald Sicheritz um einen Mörder, dem keiner seine Schuld glauben will.
Denken Sie an eine nette Person aus Ihrem Bekanntenkreis, an einen friedfertigen jungen Mann. Einen sympathischen, charmanten, beruflich erfolgreichen Menschen. Einen durch und durch angenehmen Zeitgenossen. Genau so ein Mann ist Jan Haigerer. Er ist Mitte 30. Er arbeitet als Gerichtsreporter bei einer der angesehensten Zeitungen des Landes und ist allseits beliebt.
Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie erfahren, dass genau dieser nette junge Mann jemanden umgebracht haben soll. Angeblich hat er in einer Bar jemanden erschossen. Irgendjemanden. Er ist hergegangen und hat die Mündung seiner Waffe wahllos auf einen Menschen gerichtet und abgedrückt. Genau das hat Jan Haigerer getan. Er hat Rolf Lentz ermordet. Ohne Streit, ohne Vorgeschichte, scheinbar aus dem Nichts heraus. Angeblich hat er das Opfer vorher nicht einmal gekannt. Haigerer legt ein Geständnis ab. Er sagt, die Tat war geplant. Grund dafür gibt er keinen an. Und die Menschen rund um ihn erkennen nichts Böses an ihm. Sie mögen ihn. Daher will niemand ihm glauben.
Der Roman ist mit Humor, Ironie und leichter Hand erzählt – und das durchgängig in den Gedanken seines Helden. Das fordert Autoren und Regisseur gewaltig, weil das Wesentliche in eine andere, in eine Filmsprache übersetzt werden muss. Idee und Setup waren absolut filmtauglich. Die Hauptfigur brauchte jedoch mehr „Außen“, mehr sichtbare Kontur.
Jemand, der wie Jan Haigerer im Verborgenen, von seinen nächsten Menschen unbemerkt, im Saft des eigenen Fanatismus bis zur Explosion hochkocht, ist ein zeitlos interessanter Charakter. Gerade jetzt, wo die Welt noch ärger vom Terrorwahn als vom Terror heimgesucht wird, hat einer wie er besondere Aktualität.
Das Schönste und zugleich Gefährlichste an der Filmkunst ist die Vielzahl ihrer Mittel. Ich meine, dass sich ein Film nur dann klar erzählt, wenn man sich ebenso klar für die zu verwendenden Erzählmittel entscheidet. Darum visualisiert Gedanken nur im Ansatz, lässt Raum fürs eigene Weiterspinnen. Mir erschien es besser und fruchtbarer, die geheimnisvolle, schweigsame Hauptfigur in den Menschen ihres Umfelds zu spiegeln. Wenn wir uns mit seinem Verteidiger identifizieren können, erleben wir mit ihm auch Jan Haigerer aus der Nähe. Dasselbe gilt z. B. für alle Zeugen, die vor Gericht aussagen.
– Harald Sicheritz |