|
|
Lilia genießt den Ruf einer anständigen Frau und einer vorbildlichen
Mutter. Sie lebt in Tunis, wo sie sich seit dem Tod ihres Mannes allein
um die Erziehung ihrer schon fast erwachsenen Tochter Salma kümmert.
Salma geht noch zur Schule und hat ein Verhältnis mit dem Cabaret-Musiker
Chokri. Sie geht häufig nachts lange aus und übernachtet bei
Freunden. Als aufmerksame Mutter glaubt Lilia allen Grund zur Sorge zu
haben. Sie vermutet ihre Tochter auf Abwegen und begiebt sich daher eines
Nachts auf die Suche nach ihr.
Der Weg führt sie in den Nachtclub Satin Rouge. Dort
offenbart sich ihr eine völlig neue Welt, die ihr gleichermaßen
beunruhigend und verlockend erscheint: Sie tritt ein in ein Reich der
Nacht, das allein dem Bauchtanz und dem Vergnügen geweiht ist.
Angezogen von der Magie des Ortes kehrt sie entgegen ihrer moralischen
Zweifel immer wieder zurück. Zunächst zögerlich, doch dann
ermutigt von den anderen Frauen, beginnt auch Lilia zu tanzen. Die unscheinbare
Frau verwandelt sich unter den Blicken der männlichen Zuschauer in
eine begehrenswerte, temperamentvolle Tänzerin. Auch auf den Musiker
Chokri übt sie eine starke sinnliche Faszination aus. Sie beginnen
eine Affäre.
Durch das Tanzen wird sich Lilia einerseits ihrer verborgenen Wünsche
und Sehnsüchte bewusst, die sie lange Zeit unterdrückt hatte.
Zugleich muss sie sich nun widersprüchlicher Gefühle wie Liebe
und Verlangen, Erniedrigung und Eifersucht stellen.
Der Film ist der erste abendfüllende Spielfilm der Regisseurin Raja
Amari und wurde zum Publikumshit des Forums bei der diesjährigen
Berlinale.
Lilia befreit sich allmählich und blüht schließlich
immer mehr auf, sie entdeckt sich durch das Tanzen neu. Ihre Tochter ist
schon erwachsen und wird bald ihre eigenen Wege gehen. Die Mutter, noch
recht jung und schon Witwe, wird dann alleine zurückbleiben. Der
Nachtclub bietet ihr Geselligkeit und Freundschaften. Deshalb rückt
sie immer mehr von dem wohlanständigen Leben und von den Moralvorstellungen
ab, die sie sich bis dahin auferlegt hatte.
Raja Amari
|