Mein Russland
  A 2002 ,  92 min, DF
  Regie: Barbara Gräftner
  Darsteller: Andrea Nürnberger, Hannes Gastinger, Natalia Baranova, Holger Schober, Julia Höfler

Margit, eine resolute Wienerin, scheint ihr Leben im Griff zu haben. Sie ist 46 Jahre alt, Bankbeamtin, geschieden, mit Lebensgefährten, zwei erwachsenen Kindern und schmuckem Eigenheim mit Garten am Stadtrand.
Nach außen hin angepasst und integriert, ist Margit in Wahrheit unfähig zu echter Bindung, einsam und sich selbst fremd. Die bevorstehende Hochzeit ihres Sohnes Hans mit der Russin Anna verunsichert sie. Sie befürchtet, die Kontrolle über Hans zu verlieren und allein zurückzubleiben. Haben die beiden ihr doch gerade eröffnet, dass sie in Zukunft lieber in ihrer eigenen Wohnung leben wollen als bei ihr im eigens ausgebauten Haus. Mit allen Mitteln versucht Margit, sich unentbehrlich zu machen.
Margits heile Welt gerät ins Wanken, als die russische Familie ihrer künftigen Schwiegertochter eintrifft. Sie begegnet der neuen Verwandtschaft mit ambivalenten Gefühlen und Vorurteilen und reagiert mit Kurzschlusshandlungen, da ihr die Situation zu entgleiten droht. Das Chaos zwischen den beiden Kulturen nimmt seinen Lauf. Aber beim gemeinsamen Essen, Trinken und Feiern, bei Schweinsbraten, Wodka und russischem Buffet kommt man einander auch näher, zarte neue Freundschaften entstehen.

... ein tragikomischer Film über die Begegnung einer Österreicherin mit der russischen Verwandtschaft ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Gräftners Film, der den Wettbewerb gewann, zeigt subtil das Bild einer Frau, die sich längst selbst fremd geworden ist.
Süddeutsche Zeitung

... ein Film, in dem Klischees mit der Wahrheit aufeinanderprallen. Ein Zusammenstoß übrigens, der vielen Filmen gut tun würde.
Celluloid

Mein Russland präsentiert sich in halb dokumentarischem Stil vor ernstem Hintergrund, der jener feinfühligen Ironie, mit der Gräftner ihre Figuren zeichnet, keineswegs entgegensteht. Unangestrengt und leichthändig gelingt Gräftner ein tragikomisches Porträt einer Frau, die versucht, sich selbst zu überwinden, die aber letztlich von der ihr zugedachten und sich selbst zurechtgelegten Rolle gefangengehalten wird.
Blimp: Diagonale 2002

moviemento-zeitung
nr. 170, Dezember 2002

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