|
|

Margit, eine resolute Wienerin, scheint ihr Leben im Griff zu haben.
Sie ist 46 Jahre alt, Bankbeamtin, geschieden, mit Lebensgefährten,
zwei erwachsenen Kindern und schmuckem Eigenheim mit Garten am Stadtrand.
Nach außen hin angepasst und integriert, ist Margit in Wahrheit
unfähig zu echter Bindung, einsam und sich selbst fremd. Die bevorstehende
Hochzeit ihres Sohnes Hans mit der Russin Anna verunsichert sie. Sie befürchtet,
die Kontrolle über Hans zu verlieren und allein zurückzubleiben.
Haben die beiden ihr doch gerade eröffnet, dass sie in Zukunft lieber
in ihrer eigenen Wohnung leben wollen als bei ihr im eigens ausgebauten
Haus. Mit allen Mitteln versucht Margit, sich unentbehrlich zu machen.
Margits heile Welt gerät ins Wanken, als die russische Familie ihrer
künftigen Schwiegertochter eintrifft. Sie begegnet der neuen Verwandtschaft
mit ambivalenten Gefühlen und Vorurteilen und reagiert mit Kurzschlusshandlungen,
da ihr die Situation zu entgleiten droht. Das Chaos zwischen den beiden
Kulturen nimmt seinen Lauf. Aber beim gemeinsamen Essen, Trinken und Feiern,
bei Schweinsbraten, Wodka und russischem Buffet kommt man einander auch
näher, zarte neue Freundschaften entstehen.
... ein tragikomischer Film über die Begegnung einer Österreicherin
mit der russischen Verwandtschaft ihrer zukünftigen Schwiegertochter.
Gräftners Film, der den Wettbewerb gewann, zeigt subtil das Bild
einer Frau, die sich längst selbst fremd geworden ist.
Süddeutsche Zeitung
... ein Film, in dem Klischees mit der Wahrheit aufeinanderprallen.
Ein Zusammenstoß übrigens, der vielen Filmen gut tun würde.
Celluloid
Mein Russland präsentiert sich in halb dokumentarischem Stil
vor ernstem Hintergrund, der jener feinfühligen Ironie, mit der Gräftner
ihre Figuren zeichnet, keineswegs entgegensteht. Unangestrengt und leichthändig
gelingt Gräftner ein tragikomisches Porträt einer Frau, die
versucht, sich selbst zu überwinden, die aber letztlich von der ihr
zugedachten und sich selbst zurechtgelegten Rolle gefangengehalten wird.
Blimp: Diagonale 2002
|