Paranoid Park
  FR/US 2007 ,  85 min, OmU
  Regie: Gus van Sant
  Darsteller: Gabe Nevins, Dan Liu, Scott Green, Jake Miller, Taylor Momsen, Lauren McKinney
Di 13. - Do 15. Okt 17:30 City Kino 1
Programmänderungen vorbehalten!  

Versehentlich tötet ein 16-jähriger Jugendlicher mit seinem Skateboard einen Sicherheitsbeamten. Nach anfänglichem Hadern beschließt er, die Behörden nicht über den Unfall zu informieren. Er beginnt sich in Sicherheit zu wiegen, aber sein Gewissen bereitet ihm zunehmend Schwierigkeiten. Das Mädchen Macy, das der Junge aus der Schule kennt, gibt ihm den Rat, sich das Belastende von der Seele zu schreiben.

Stärker noch als in allen seinen früheren Filmen lässt Gus Van Sant in Paranoid Park seine Empathie ins Leere laufen. Für Alex rundet sich die Geschichte letztendlich ab, er kann seine Niederschrift zu Ende bringen, und er hat am Ende auch eine Adressatin, bei der es nicht darauf ankommt, dass sie sein Geheimnis tatsächlich teilt (die Bereitschaft genügt). Gus Van Sant ist der Figur aber nicht näher gekommen – der Film bleibt auf der Distanz seiner verfremdenden Eingriffe. Die Kameraarbeit von Christopher Doyle (ergänzt von Super-8-Skaterfilmen von Rain Kathy Li) trägt wesentlich dazu bei, dass sich niemals ein stabiles Verhältnis zu den Teenagern und zwischen ihnen ergibt – es ist eine Ästhetik des flüchtigen Eindrucks, die durch die diskontinuierliche Montage noch verstärkt wird. Zuletzt sind es aber die musikalischen Ideen, die Paranoid Park am stärksten bestimmen. Aus den vielfachen Motiven – von Nino Rota (aus den Fellini-Filmen Giulietta degli Spiriti und Amarcord) über Rap und Speedcore bis zu elektronischen Abstraktionen – setzt sich ein Bewusstseinsstrom zusammen, der nicht mehr der jugendlichen Hauptfigur zuzuordnen ist, sondern dem Auteur Gus Van Sant, der mit seinem über viele Jahre angesammelten kulturellen Wissen die Distanz erkennbar macht, die ihn selbst und seine Form des Kinos von der Lebenswelt seiner Protagonisten trennt. Während den Bildern noch die Faszination anzusehen ist, die von dem Lebensstil der „Streeters“ ausgeht, stellt Gus Van Sant in der Montage das Begehren nach Identität und Zugehörigkeit wieder in Frage. Dabei ist es nicht weiter von Belang, ob er damit eher auf den Riss zielt, der durch das Leben seines Protagonisten geht, oder auf die gebrochene Identifikation, die ihn als Regisseur an die Figur bindet. Der Film ist, wie das Skaten, eine Bewegung auf schwankendem Grund.
– Bert Rebhandl


Moviemento-Zeitung
Nr. 229, Dezember 2007

www.moviemento.at

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