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Eine völlig neue Art von Musikfilm. In Marseille schlägt Julies Herz mit derselben sehnsüchtigen Intensität, wenn sie an ihren Rashid denkt, wie jenes des japanischen Mannes, wenn seine Augen endlich wieder seine Angebetete erblicken, die in einer Suppenküche in Tokyo arbeitet. Liebe kann ein Strohfeuer sein, wie die zum Star einer Telenovela in Rio. Oder eine beständige, starke Flamme, die einem Paar in Belgrad die Kraft gibt um seine Existenz zu kämpfen. Da ist der schwarze Taxifahrer in Brooklyn, dessen verlangenden Gedanken an eine schöne Frau ihn in den emotionalen Abgrund eifersüchtiger Liebe führen. Oder der seriöse ältere Gentleman in Luxemburg, der es endlich, endlich schafft, seine wahren Gefühle für einen jungen Mann zu zeigen.
Die Images von Universalove brauchen nicht viel Dialog, um ihre Protagonisten das Innerste nach Aussen kehren zu lassen. Die berührenden, oft fast schmerzhaft schönen Songs von Naked Lunch tauchen sich langsam offenbarende Seelenlandschaften in ein mitfühlendes Licht, machen Universalove zu einer neuen Form von Musikfilm.
Aber es gibt auch eine große Gewissheit und Klarheit, die sich durch Universalove ziehen, wenn sich die kunstvoll miteinander verwobenen Episoden entfalten, um eine zutiefst menschliche Geschichte der Liebe zu erzählen. Eine Geschichte der Liebe und ihrer universellen und speziellen, „lokalen“ Bedingungen.
Liebe passiert. Liebe findet statt. Seltsame Liebe. Wahre Liebe. Verrückte Liebe. Verzweifelte Liebe. Überall. In jedem Moment.
Es geht in Universalove, wie im Schlager, wie in der Oper, um die großen Gefühle. Doch was dabei herauskommt, ist nach Ansicht des Regisseurs ein Musical für Leute, die sich sonst keine Musicals ansehen. Die obligatorische Nummernrevue im Musical, die die Körper in Tanz und Bewegung setzt, wird hier durch einen in Feinabstimmung mit den filmischen Szenen entstandenen und bis ins Detail nachjustierten Score der österreichischen Band „Naked Lunch“ ersetzt. Die exakt getimte Musikeinwürfe orchestrieren und strukturieren den Film. Sie werden nach Möglichkeit live zur Projektion eingespielt und erzeugen dadurch eine nicht zuletzt mediale Reibung zwischen den teilweise effektbeladenen, artifiziellen Bildern und der performativen Direktheit und Wucht eines hochkonzentrierten Rocksets. Dieses lebt von der Dynamik eines sich häufig aus anschwellenden Ambient-Etüden herausschälenden, unversehends rhythmisch angetriebenen (Chor-)Gesangs der in den kurzen dramatischen Bögen imstande ist, zwischen glockenheller Hymnik und aufgerauhter, müder Melancholie zu vermitteln. In der rein filmischen Version von Universalove sind die Song- und Soundminiaturen sorgfältig mit dem Sound der Filmszenen abgemischt, schlucken diese manchmal zur Gänze in den lauteren, eruptiven Passagen und lassen dann doch wieder Bilder und die Menschen darin buchstäblich atmen. So entstehen die atmosphärische Anschlüsse an und Überblendungen von einzelnen Episoden.
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