Die Frau mit den 5 Elefanten
Die Frau mit den 5 Elefanten
CH/DE, 2009, 93 min, OdF, R: Vadim Jendreyko, K: Niels Bolbrinker
Ein „Gewohnheitsunrecht“ nennt Swetlana Geier Schuld und Sühne. Als sie 1994 den Dostojewskij-Roman in Verbrechen und Strafe umbenannte, gab es Proteste. Dabei hatte sie bloß den russischen Titel Prestuplenie i nakasanie wortwörtlich übertragen.
Swetlana Geier gilt als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Soeben hat sie für den Zürcher Ammann Verlag ihr Lebenswerk beendet: die Neuübersetzung der fünf großen Romane von Dostojewskij, genannt die fünf Elefanten. Ihre Arbeit ist von großem sinnlichen Sprachverständnis und kompromissloser Achtung vor den Autoren geprägt, ihr Leben wurde von Europas wechselvoller Geschichte überschattet. Mit Vadim Jendreyko reist die 85-jährige Frau zum ersten Mal aus ihrer Wahlheimat Deutschland zurück an die Orte ihrer Kindheit in die Ukraine. Der Film verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlich tätigen Frau nach. Er erzählt von großem Leid, stillen Helfern und unverhofften Chancen – und einer alles überstrahlenden Liebe für Sprache. In Fragmenten zeichnet der Film die Erinnerung der Protagonistin auf, Archivbilder widerspiegeln dabei die Weltgeschichte, deren Zeugin sie war. Er begleitet sie zu den versiegelten Orten ihrer Kindheit und folgt ihr zuhause bei ihren Alltagsaufgaben wie auch bei ihrer literarischen Tätigkeit.
Tarkowskij vertrat die Ansicht, wer Dostojewskij nicht im Original lesen könnte, täte besser daran, ihn nicht zu lesen. „Er kennt meine Übersetzungen nicht!“, sagt Geier. Wahrhaftig, niemand kommt dem „echten“ Dostojewskij näher als sie, die dem Leser ein Geschenk macht: Allein des Anmerkungs-Apparates wegen lohnte sich die Lektüre ihres Dostojewskijs. Für Swetlana Geier sind die fünf „Elefanten“ die Kapitel eines einzigen Romans.



