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Giulias Verschwinden

Giulias Verschwinden

CH, 2009, 87 min, OdF, R: Christoph Schaub, K: Filip Zumbrunn, D: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, Sunnyi Melles 


Ausgerechnet an ihrem Fünfzigsten muss es Giulia am eigenen Leib erfahren: Alter macht unsichtbar. Aus Frust geht sie shoppen und trifft dabei einen Fremden, mit dem sie den Abend lieber verbringt als mit ihrer Geburtstagsgesellschaft.

Ausgerechnet an ihrem Fünfzigsten muss es Giulia am eigenen Leib erfahren: Alter macht unsichtbar. Während die Geburtstagsgesellschaft über Allergien und Übergewicht, Wadenkrämpfe und die Vorteile von Tempur-Matratzen philosophiert, streift die Jubilarin ziellos durch die Straßen, hat mit einem Mal das seltsame Gefühl, für ihre Umwelt unsichtbar zu sein, und kommt nach und nach zu dem Entschluss, dass ihr an diesem „Freudentag“ alles andere als zum Feiern zu Mute ist. Nur zu gerne lässt Giulia sich von einem sehr charmanten älteren Herrn namens John auf ein Glas Wein in eine Hotelbar einladen. Im Restaurant sind derweil hitzige Diskussionen über grundsätzliche Fragen des irdischen Daseins im Gange, die Wahr- und Weisheiten ihrer engsten Freunde zum Thema Alter werden zusehends mit genügend Alkohol konserviert – als plötzlich die Tür aufgeht und der Ehrengast doch noch erscheint.
Auch Jessica und Fatima, 14, shoppen – allerdings auf ihre Weise. Sie suchen ein Geburtstagsgeschenk und finden goldene Turnschuhe für den 18-jährigen Schwarm ihrer Herzen. Doch dem Ladendetektiv entgehen sie nicht. Cornelia und Max, die geschiedenen Eltern von Jessica, stehen vor den Trümmern ihres aufgeschlossenen Sorgekonzeptes, als sie ihr Kind bei der Polizeidienststelle abholen müssen. Wer ist schuld, dass die Tochter offensichtlich zu einer verlorenen Jugend gehört?
Über den Verlust der Jugend schmollt derweil Leonie, die sich an ihrem achtzigsten Geburtstag gegen ihre Tochter, das Altersheim, die Konventionen und gegen das Altsein auflehnt und ihre eigene Geburtstagsparty genussvoll sabotiert.
Schaubs Komödie lebt vor allem von den akzentuierten Dialogen, die Autor Suter seinen Protagonisten in den Mund gelegt hat. Und diese werden von hochkarätigen und glänzend aufgelegten Schauspielern – neben Harfouch und Ganz unter anderem auch Stefan Kurt, Sunnyi Melles und Max Herbrechter – vorgetragen. Die wenigen Schauplätze, das Lokal, das Hotelfoyer, ein Bus, ein Seniorenheim und ein Kaufhaus, sorgen für statische, ruhige Bilder, die vorwiegend Großaufnahmen der handelnden Personen zeigen. Die meisten Lacher bekommt Christine Schorn, die sich in ihrem Altersheim so richtig danebenbenimmt und am Ende gar eine zünftige Tortenschlacht anzettelt. Zum Finale lässt Schaub alle Figuren und damit sämtliche Handlungsstränge seines tragikomischen Reigens über Leben und Tod, ewige Jugend und Altersstarrsinn, Schönheits-OPs und Faltencremes in jenem besagten Restaurant zusammenlaufen. Und Hoffnung auf Liebe im fortgeschrittenen Alter gibt es auch, wenn Giulia zum Abspann – aber das sei jetzt noch nicht verraten.

Martin Suter, durch seine geistreich-unterhaltsamen Kolumnen und Romane einem breiten Publikum bekannt, observiert in seinen pointierten Dialogen die Sehnsucht, ewig jung bleiben zu wollen von der Pubertät bis ins Seniorenalter. Dabei wird in allen Lebensphasen dem Altern schamlos und erfolgreich getrotzt und den entsprechenden Hormonschüben freien Lauf gelassen.

Unglaublich, wie Christoph Schaub in „Giulias Verschwinden“ mit Schauspielern arbeitet: Lange Dialogszenen am Tisch werden durch ein hervorragendes Ensemble und eine außergewöhnliche Kameraführung zum Genuss. Und wenn Corinna Harfouch – die Giulia – sich mit Bruno Ganz unterhält, wird die kleinste Geste zum Ereignis. – Sonntags Zeitung

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Giulias Verschwinden
Website zum Film:
www.giulias-verschwinde...
Moviemento-Programmzeitung
Nr 253, Februar 2010
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