Ein russischer Sommer
The Last Station
DE/RU, 2009, 113 min, DF, R: Michael Hoffmann, K: Sebastian Edschmid, D: Helen Mirren, Christopher Plummer, James McAvoy, Paul Giamatti, Anne-Marie Duff, Kerry Condon
Ein russischer Sommer erzählt die bewegende, faszinierende Geschichte der letzten Tage des ersten weltbekannten Bestsellerautors und Medienstars Leo Tolstoi. Eine Geschichte, die von Leidenschaft, Liebe, Ehe, Familie, Geiz, Intrigen und Revolution handelt. Und die auf mal humorvolle, mal dramatische Weise zeigt, wie schwierig es ist zu lieben; und gleichzeitig wie unmöglich, ohne die Liebe zu leben.
1910. Leo Tolstois Frau Sofia, seit 48 Jahren mit dem weltberühmten Autor verheiratet, ist außer sich: Tolstois engster Vertrauter Tschertkow hat ihren geliebten Mann hinter ihrem Rücken dazu überredet, die wertvollen Rechte an seinen Werken nicht ihr und den gemeinsamen Kindern, sondern dem russischen Volk zu vermachen. Und das, obwohl sie ihm ihr Leben gewidmet hat. Ja, sogar eigenhändig das Manuskript von „Krieg und Frieden“ sechs Mal abgeschrieben hat! Voller Leidenschaft nimmt sie den Kampf um ihr gutes Recht auf – doch an den Idealen (und dem Ego) ihres Mannes ist nicht zu rütteln. Je mehr Sofia wie eine Furie durch den herrschaftlichen Familiensitz fegt, desto leichter wird es für Tschertkow, Tolstoi von der Richtigkeit seiner Entscheidung zu überzeugen. Genau zwischen die Fronten dieses Minenfelds gerät Valentin, Tolstois junger neuer Sekretär. Als glühender Verehrer bewundert er vor allem Tolstois Ansichten über die bedingungslose Liebe – auch wenn sich seine eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet bisher noch in Grenzen halten. Ganz im Gegensatz zur schönen und geistreichen Lehrerin Mascha, die ihre Gedanken über freie Liebe und Sex zum Erstaunen Valentins offen und unbekümmert äußert. Während der Konflikt zwischen Tolstoi und Sofia epische Ausmaße annimmt und eine wunderbare, lebenslange Liebe nach Jahren des Glücks zum Scheitern zu bringen scheint, lernt Valentin selbst in diesem Sommer die Liebe endlich kennen.
Vorlage des Films war der Roman „Ein russischer Sommer – Tolstojs letztes Jahr“, an den sich der Regisseur nur bedingt gehalten hat. Die Mischung aus historischen Fakten und Fiktion funktioniert wie bei den Werken des Autors auch im Film, der den Schöpfer von „Krieg und Frieden“ oder „Anna Karenina“ als moralische Instanz vorstellt.
Ein russischer Sommer verwebt die persönlichen Perspektiven verschiedener Figuren zu einem schillernden Kaleidoskop sozialer Verwerfungen und individueller Zerrissenheit am Vorabend des Ersten Weltkriegs und der Weltrevolution und wirft einen neuen Blick auf den Literaten.



