Same Same But Different
Same Same But Different
DE, 2009, 107 min, OdF, R: Detlev Buck, K: Jana Marsik, D: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Anatole Taubman, Mario Adorf, Charly Hübner, Michael Glawogger
Auf seiner Asienreise verliebt sich ein junger Deutscher in eine junge Kambodschanerin,
die als Bargirl in einem Nachtclub arbeitet. Als sich herausstellt, dass sie HIV positiv ist, muss er sich entscheiden. Kann es für sie eine gemeinsame Zukunft geben?
Ben und sein Freund Ed sind zwei abenteuerlustige Studenten auf einer Rundreise durch Asien. Eines Nachts landen sie im Drogenrausch in einem Club in Phnom Penh, im „Heart of Darkness“, wo Ben von einem hübschen Bargirl angesprochen wird. Er nimmt sie mit zu sich und sie verbringen die Nacht miteinander. Doch am nächsten Morgen stellt sich heraus, dass das Mädchen, Sreykeo, eine Prostituierte ist, die sich in dem Moment nicht sicher ist, ob sie von ihm Geld für den Beischlaf verlangen soll. Er bezahlt sie und sie leiht sich sein Hemd aus. Als sie ihm das gewaschene Hemd unerwartet wieder zurückbringt, beginnen beide die Zeit miteinander zu verbringen. Gegen den Rat seines Freundes beschließt Ben sogar noch etwas länger zu bleiben und bei ihr und ihrer Familie im sogenannten „La Building“, einem heruntergekommenen Wohnblock, zu wohnen. Als Ben nach Deutschland zurückkehrt, beginnen sie eine Fernbeziehung zu führen, bis Sreykeo wegen ihres ständigen Hustens zum Arzt geht und die schreckliche Diagnose erhält: HIV-positiv. Diese Nachricht bringt die Beziehung ins Straucheln und zieht Ben in die Verantwortung, für sie zu sorgen und für die Beschaffung von Medikamenten für seine Freundin vor Ort zu kämpfen.
Das alles gestaltet sich – wie bei Buck üblich – erfreulich unspektakulär, aber doch sehr einfühlsam und charmant. Bezeichnend hierfür sind etwa die Frontalaufnahmen der Darsteller in Momenten, in denen sie nicht wissen, wie sie handeln sollen und konsterniert Richtung Kamera blicken. Wodurch dieser kleine, sympathische Film besticht sind die durchweg überzeugenden Schauspieler und Bucks sehr sensible Inszenierung, die die Emotionen der Figuren in stimmungsvollen Bildern einfängt und nur sehr selten in überzogene Melodramatik und Klischees abdriftet.
Seit der Filmhochschule will ich einen Film machen, der nicht nur, wie so oft, ein bisschen Liebe beinhaltet, sondern nichts außer Liebe thematisiert. Doch keine Liebesgeschichte hat sich angeboten. Jetzt, mit dieser wahren Geschichte von Benjamin Prüfer und Sreykeo, sehe ich endlich die Zeit gekommen, den Film zu machen. Nie zuvor wurde mir so klar bewusst, dass die Bedeutung der Liebe zwischen den Menschen mit der Verantwortung wächst. Nie zuvor wurde mir so deutlich, dass Liebe Arbeit ist. – Detlev Buck
Buck, der jüngst in Michael Hanekes Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009) mit einem famosen Kurzauftritt begeistern konnte, glänzt vor allem in seiner Schauspielerführung. David Kross, der bereits für Bucks Knallhart (2006) vor der Kamera stand und letztes Jahr noch neben Kate Winslet in Der Vorleser (2008) überzeugen konnte, meistert seine schwierige Hauptrolle ebenso bravourös wie die schöne Apinya Sakuljaroensuk, die sich hier etwas rundlicher und erwachsener präsentiert als in ihren früheren Rollen.
Die bewegende Liebesgeschichte, die der Jungjournalist Prüfer erstmals in einem Artikel für das Magazin Neon und dann auch in Fernsehsendungen wie SternTV mit einer bemerkenswerten Klarheit und Sachlichkeit an die Öffentlichkeit trug, um schließlich ein ebenso einfühlsames wie kitschfreies Buch darüber zu schreiben, wurde nun von einem Regisseur verfilmt, der bekannt ist für seinen trockenen Humor, seine charmante Sachlichkeit und seinen gänzlich undramatischen Erzählstil. Womit man allerdings nicht gerechnet hätte, sind die sehr atmosphärischen, gefühlvollen Bilder, die er dafür findet. So ist Same Same But Different der einfühlsamste und schönste Film Bucks, der hier zwei komplizierte, widersprüchliche Figuren mit all ihren positiven und negativen Eigenschaften ins Zentrum stellt und ihre schwierige Beziehung durchleuchtet. Und das macht diesen Film auch sehenswert.



