Salami Aleikum
Salami Aleikum
DE, 2009, 106 min, OdF, R: Ali Samadi Ahadi, K: Bernhard Jasper, D: Navid Akhavan, Anna Böger, Michael Niavarani, Proschat Madani, Wolfgang Stumph, Eva-Maria Radoy
Eine bunte Culture-Clash-Komödie über einen persischen Vater und seinen strickenden Sohn, eine Kugelstoßerin, die zur KFZ-Mechanikerin wurde, sowie ein im Grenzland geborenes Lamm – intelligent, politisch nicht ganz korrekt.
Mohsen Taheri hat es nicht leicht. Der schmächtige Deutsch-Iraner ist bereits Ende 20 und lebt immer noch bei seinen Eltern. Obwohl er kein Blut sehen kann, arbeitet er in der Kölner Familienmetzgerei. Sein Vater hält ihn für einen Versager, gibt ihm jedoch nie eine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Mohsen hat für sich zwei Wege gefunden, damit fertig zu werden. Entweder rettet er sich in Tagträumereien oder – wenn es ganz dick kommt – strickt er, um zu entspannen. Mohsen strickt viel. Beim Versuch die elterliche Metzgerei zu retten, havariert er mit seinem Kleinlaster ausgerechnet in der tiefsten ostdeutschen Provinz: in einem verstaubten kleinen Dorf, dessen Bewohner alles Neue und Fremde nach 1989 misstrauisch beäugen. Ausländer werden dort gar nicht gern gesehen. Doch das ist Mohsen egal. Denn er findet seine Traumfrau: Ana, die Automechanikerin, groß, stark und blond. Aber dann verstrickt sich Mohsen in die größte Lüge seines Lebens: Um der Vegetarierin Ana zu gefallen, gibt er sich als Textilhändler aus. Und schon wittert ganz Oberniederwalde den fetten Coup, allen voran Anas Vater. Der reiche Sohn soll den stillgelegten VEB „Textile Freuden“ kaufen und diesem zu neuem Aufschwung verhelfen! Aus einer kleinen Notlüge entsteht bald eine gewaltige, bunte Blase voller Hoffnung, Zuversicht und Irrtümer. Das alles würde Mohsen vielleicht noch irgendwie deichseln können, doch eines Tages steht der väterliche Mercedes vor der Tür.
Interview mit Michael Niavarani:
Salami Aleikum handelt vom Zusammenprall zweier Kulturen – der Ex-DDR und einer persischen Emigrantenszene. Was haben die gemeinsam?
Beide kommen aus einer Welt, die nicht mehr existiert. Die persische Familie etwa, der Vater, den ich spiele, und der ein ganz klein wenig eine Parodie auf meinen eigenen Vater darstellt – die leben immer noch in der Schah-Zeit, einem untergegangenen Reich. Und jetzt lebt er da in Köln, mit seiner Fleischhauerei, und zehrt davon, dass er früher einmal „etwas“ war. Ähnlich verhält es sich mit der Familie in Ostdeutschland: Die führen da ein kleines Dorfgasthaus, nachdem sie früher ein Textilunternehmen hatten. Beide Familien berufen sich auf eine Heimat, die es so nicht mehr gibt. Und als sie zusammentreffen, gaukeln sie einander vor, dass sie reich sind. Auch das verbindet.
Was hieß es denn für Sie selbst, schon als Kind, in Wien aufzuwachsen, aber persischer Abkunft zu sein?
Bis zum 15. Lebensjahr habe ich da keine großen Unterschiede gemacht. Wiener und Perser, das war für mich dasselbe. Das eine war eben die Familie von der Mama und das andere die vom Papa. Wir haben Teheraner Proleten ebenso in der Familie wie Wiener Proleten. Und in beiden Zweigen der Familie gibt es Menschen, die gern in die Oper gehen. Dass da zwei Sprachen gesprochen werden, zwei Kulturen gelebt werden, und dass ich damit einen anderen Hintergrund hatte als meine Freunde – das fiel mir eher spät auf.
Michael Niavarani ist der Sohn einer Österreicherin und eines Persers. Er lebt in Wien und arbeitet als Kabarettist, Autor und Schauspieler. Seit 1993 ist Niavarani künstlerischer Leiter des Kabarett „Simpl“.



