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Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß

Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß

DE, 2009, 85 min, OdF, R: Susanne Jäger, Pagonis Pagonakis, K: Frederik Walker, Ralf M. Medl 


Der erfahrene Undercover-Journalist Günter Wallraff schlüpft in die Rolle eines Schwarzen, um am eigenen Leib zu überprüfen, ob Rassismus in Deutschland immer noch alltäglich ist.

Während eine Maskenbildnerin an seiner aufwändigen Verwandlung arbeitet, erklärt Wallraff: „Jede Gesellschaft lässt sich daran messen, wie sie auf Fremde reagiert.“ Bevor Wallraff sich als Kwami Ogonno unter die Leute mischt, verkabelt ein Techniker ihn mit versteckten Kameras – im Hemdknopf, in der Sonnenbrille, im Tragebeutel. Der Zuschauer soll hautnah miterleben können, wie Deutsche reagieren, wenn ein Mann mit schwarzer Haut ihnen begegnet.
Zum Beispiel in Wörlitz/Sachsen-Anhalt. Kwami Ogonno nimmt an einer Bootstour teil und wird von den anderen Ausflüglern misstrauisch beäugt. Sie möchten zunächst nicht neben ihm sitzen und duzen ihn, als sei er ein ungezogenes Kind. Im Schlosspark möchte ein altes Paar die Bank nicht mit ihm teilen. Doch nicht jeder reagiert so ablehnend auf den kontaktfreudigen Schwarzen. Eine Seniorin antwortet auf seine Frage, ob man die Fische im Schlossteich angeln dürfe: “Wenn Sie einen fangen, müssen Sie uns einladen.“
Ortswechsel: Cottbus in Brandenburg, eine Fußgängerzone. Der maskierte Wallraff möchte sich im Juweliergeschäft eine goldene Uhr näher ansehen, doch die Verkäuferin gibt das teure Stück nicht aus der Hand. Sie wisse ja nicht, mit wem man es da zu tun habe, erklärt sie kurz darauf treuherzig einem Mitarbeiter des Filmteams, der ebenfalls mit einer versteckten Kamera versehen ist. Und da er weiß ist, darf er die Uhr gern anprobieren. Die Vorbehalte sind keineswegs auf Ostdeutschland beschränkt: Kwami versucht in Köln eine Wohnung zu mieten. Die Hausbesitzerin führt ihn gequält freundlich durch die Zimmer. Zwei „verdeckte“ Mitarbeiter des Teams geben sich anschließend gleichfalls als Wohnungssuchende aus und werden von der Vermieterin herzlich begrüßt. Ungefragt gesteht sie, wie sehr sie vor dem schwarzen Mann erschrocken sei, der soeben bei ihr war – und dem sie die Räume bestimmt nicht überlassen werde: „Ganz schwarz, ganz schlimm!“ Aber mit Ausländerfeindlichkeit, beteuert die Dame, habe das nichts zu tun. Der getarnte Wallraff gewinnt der Fremdenfeindlichkeit seiner Mitbürger immer wieder groteske Szenen ab, so etwa auf einem Jahrmarkt in Halle, Sachsen-Anhalt. Als der DJ die Besucher auffordert zu schunkeln, mag sich niemand bei Kwami Ogonno in den Arm hängen, und so tanzt der Abgewiesene mit sich selbst.
Die ständige Erfahrung von Ausgrenzung und Verachtung beginnt bei Günter Wallraff Spuren zu hinterlassen. Während die Maskenbildnerin ihn vor dem Trailer des Teams abschminkt, erzählt er von einem Traum. Er sei in ein Gehege mit einem riesigen Krokodil gefallen, und um nicht verschlungen zu werden, habe er sich totgestellt. Genauso verhalte er sich immer häufiger, wenn er verkleidet durch die Straßen geht – bloß nicht auffallen. Nach mehr als einem Jahr in der Rolle eines schwarzen Menschen stellt Günter Wallraff nüchtern fest: „Man wird fast ausschließlich über seine Hautfarbe definiert“.

Günter Wallraffs Recherche-Methoden sind berüchtigt, unter dem Pseudonym Hans Esser arbeitete er 1977 in der Lokalredaktion von „Bild“ in Hannover und veröffentlichte seine Erfahrungen in dem Buch „Der Aufmacher“ und in der Doku Der Mann, der Heinz Esser war, als türkischer Gastarbeiter war er in Buch und Film Ganz unten, seine Ermittlungen im Milieu von Call-Centern, Großbäckereien, der Deutschen Bahn und unter Obdachlosen wurden in der „Zeit“ veröffentlicht.

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Günter Wallraff: Schwarz auf Weiß
Website zum Film:
www.schwarzaufweiss.x-v...
Moviemento-Programmzeitung
Nr 253, Februar 2010
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