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Whatever Works

Whatever Works

US, 2009, 92 min, Engl./OmdtU, R: Woody Allen, D: Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Ed Begley jr., Adam Brooks u.a. 


Woody Allens hinreißende Ode an die sexuelle Befreiung, in der sich ein vom Leben enttäuschtes Physikgenie widerwillig in eine kesse Ausreißerin aus den Südstaaten verliebt.

Boris Yellnikoff ist eine klassische Allensche Figur, ein Narziss und Hypochonder, der nachts oft nach Panikattacken schweißgebadet aufwacht. Er verfügt nicht nur über einen IQ von 200, sondern ist als einziger imstande, zu erkennen, dass er lediglich eine Figur in einem Film ist. Mehrmals lässt ihn Allen die vierte Wand durchbrechen, was Boris´ Mitmenschen sehr verstört wahrnehmen. Als ihn das Südstaatendummchen Melody um Unterkunft bittet, ändert sich sein Leben. Die Zweckgemeinschaft entwickelt sich mit der Zeit zur Liebe, doch die Ankunft von Melodys sittenstrengen Eltern stört die vermeintliche Idylle und führt zu einer chaotischen Kette von romantischen Verwicklungen, an deren Ende die Erkenntnis steht: Keine Konstellation ist zu absurd, wenn sie nur glücklich macht.

„Das Leben ist oft ein riesiger Kraftakt. Dabei ist alles okay, was funktioniert und andere nicht verletzt“, gibt Woody Allen seinem Film WHATEVER WORKS im Beipacktext mit auf den Weg. „Also kann eine Beziehung ruhig bizarr sein: Wenn’s klappt, klappt es.“ Nach seinem vier Filme und fünf Jahre dauernden Europa-Trip ist Woody Allen mit WHATEVER WORKS heim nach New York gekehrt. Das Motto dafür hat er buchstäblich aus dem letzten Film VICKY CRISTINA BARCELONA mitgenommen. Mit den Worten „Wenn’s klappt, klappt es“ wird dort die komplizierte Dreiecks-Beziehung kommentiert, die Javier Bardem mit Penelope Cruz und Scarlett Johansson pflegt.

Ziemlich bizarr ist in WHATEVER WORKS die Beziehung zwischen dem verkannten Genie und alten Zyniker Boris Yellnikoff und der naiven Südstaaten-Ausreisserin Melody St. Ann Celestine. Er gewährt ihr Unterschlupf in seiner schäbigen Lower Eastside-Bude, sie saugt Teile seiner düsteren Philosophie auf, kocht Südstaaten-Eintopf Gumbo und verliebt sich in Boris. Es klappt sogar eine Weile mit dem seltsamen Paar.
Spezialist für komplizierte Beziehungen ist Woody Allen als Autor und Privatmann seit je. So kommentierte er 1992 im Time Magazine seine familiären Turbulenzen zwischen Ex-Ehefrau Mia Farrow und Ex-Adoptivtocher und nachmaliger Neu-Ehefrau Soon-Yi mit dem Satz „The heart wants what it wants“ – was durchaus Potential als Filmtitel hätte.

Der Stoff von WHATEVER WORKS – er könnte amateur-psychologisch leicht als Altherren-Phantasie gedeutet werden – datiert schon 30 Jahre zurück. Allen schrieb die Geschichte vom grantigen Beinahe-Genie und Menschenfeind, dessen Leben von einer ganz jungen, naiven Frau noch einmal total auf den Kopf gestellt wird, eigentlich dem großen Schauspieler Zero Mostel auf den massigen Leib. Der jüdische Komödiant aus Brooklyn – er war übrigens die geniale Originalbesetzung des Max Bialystock in Mel Brooks Musical „Producers“ – starb 1977 und der Stoff wurde schubladiert.
Dem New York Observer sagte Woody Allen, er habe diese Story entstaubt, als er sich entschloss, wieder einen Film in seiner Heimatstadt zu drehen. Natürlich war die erste Frage, wie viel Woody Allen steckt in der Figur des Boris. Allen: „Als Drehbuchautor vertrete ich natürlich meine Weltsicht, aber Boris ist ein erfundener Charakter. Er entspricht mir teilweise, aber nicht völlig – er ist eine extreme Übertreibung meiner Gefühle.“
Als Darsteller suchte Woody Allen sich Larry David aus: „Ich überlegte, welcher Schauspieler das Kaliber von Zero Mostel als Komiker haben könnte. Da fiel mir Larry ein – ich bin ein großer Fan von ihm.“ Larry David, von seiner Herkunft aus Brooklyn ebenfalls als waschechter New Yorker geadelt, entwickelte mit seinem Freund Jerry Seinfeld Ende der 1980er Jahre die TV-Sitcom „Seinfeld“, für die er sieben Staffeln hindurch als Drehbuchautor, Produzent und Darsteller arbeitete. 1999 wurde er vom Sender HBO mit dem Konzept zu einer eigenen Comedy beauftragt. Das Ergebnis ist „Curb Your Enthusiasm“ („Lass es, Larry!“) mit Larry David als Drehbuchautor, Produzent und Hauptdarsteller. Die einzelnen Episoden arbeiten mit realen und fiktionalen Personen und Handlungselementen, geben vor, einfach aus Larrys Alltag zu erzählen. Technisch wird der Effekt durch das Drehen mit Handkameras und improvisierte Dialoge unterstützt. 2003 gab es einen Golden Globe für die Serie, deren siebte Staffel heuer auf HBO ausgestrahlt wurde. Die deutsche Erstausstrahlung war im Mai 2008 auf dem Pay-TV-Sender FOX.

Woody Allen über den Filmtitel WHATEVER WORKS
Woody Allen, wie gesagt, outet sich als Fan von Larry David, der bereits in zwei Winzig-Rollen in seinen Filmen RADIO DAYS (1987) und NEW YORK STORIES (1989) aufgetreten war. Nun freilich hatte Allen größeres mit ihm vor. Aus der Sicht von Larry David verlief die Annäherung ungefähr so, nachdem ihm von der Produktionsfirma die Rolle des Boris in WHATEVER WORKS angeboten worden war. David: „Ich schlug das Drehbuch auf und las überall Boris, Boris, Boris. Nur aus Neugier übersprang ich 50 Seiten – und las wieder Boris. Das ging bis zur letzten Seite so weiter. Da dachte ich nur: Das wird wohl eine größere Rolle.“

Woody Allen 1992 mitten in der Affäre Mia Farrow/Soon-Yi
Woody Allen hatte es nicht ganz leicht, seinen Wunsch-Hauptdarsteller zu überzeugen: „Ich bat ihn, die Rolle anzunehmen, aber er sagte: ,Ich kann das nicht, ich bin kein Schauspieler, du wirst enttäuscht sein.’“ Aber das ist genau der Punkt, meint Woody Allen. Auch Diane Keaton pflegte ihn immer damit zu traktieren, dass sie sich schrecklich fand, dass er sich doch jemand anderen suchen sollte. Woody Allen: „Larry ist genauso. Aber wenn es so weit ist – dann macht er’s perfekt. Und nicht nur das Komödiantische, auch alles andere, das Emotionale, das Schauspielerische, das Bewegende.“
Ulrike Steiner

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Whatever Works
Website zum Film:
www.sonypictures.com/cl...
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Nr. 251, Dezember 2009
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