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Cäsar muss sterben

Cesare deve morire

IT, 2012, 76 min, Ital./OmdtU, R: Paolo Taviani, Vittorio Taviani, K: Simone Zampagni, D: Salvatore Striano, Cosimo Rega, Giovanni Arcuri, Antonio Frasca, Juan Dario Bonetto, Vincenzo Gallo 


Mit CÄSAR MUSS STERBEN ist den legendären italienischen Filmemachern Paolo und Vittorio Taviani ein Film gelungen, der die Zuschauer tief in die Seele der Menschen blicken lässt.

Ein weinender Mann steht vor einer grauen Steinwand und stellt sich vor – Sekunden später sind die Tränen verflogen, und er verkündet noch einmal seinen Namen und seine Herkunft, diesmal schreiend vor Wut. Er gehört zu einer Gruppe von Häftlingen der Strafanstalt Rebibbia, die für ein Theaterprojekt im Gefängnis vorsprechen. Auf dem Plan steht nichts Geringeres als »Julius Cäsar«, das Shakespeare-Stück über den römischen Diktator, der an den Iden des März von einer Gruppe von Verschwörern, darunter sein Adoptivsohn Brutus, ermordet wurde.

ANMERKUNG DER REGISSEURE
Eine Freundin berichtete uns von einem Erlebnis, das sie einige Abende vorher in einem Theater gemacht hatte. Sie habe weinen müssen, sagte sie, und das sei ihr schon seit Jahren nicht mehr passiert. Wir gingen in dieses Theater, das sich in einem Gefängnis befand: im Hochsicherheitstrakt des römischen Gefängnisses Rebibbia. Nachdem wir diverse Pforten und Gittertüren passiert hatten, erreichten wir eine Bühne, auf der ungefähr 20 Gefangene – teils zu lebenslanger Haft verurteilt – Dantes »Göttliche Komödie« vortrugen. Sie hatten einige Gesänge aus dem Teil »Die Hölle« gewählt und durchlebten nun, in der Hölle ihres eigenen Gefängnisses, den Schmerz und die Qualen von Paolo und Francesca, von Graf Ugolino, von Odysseus … Jeder der Darsteller sprach in seinem eigenen Dialekt, wodurch die poetische Geschichte zeitweise auf die Geschichte ihres eigenen Lebens prallte. Die Worte und Tränen unserer Freundin kamen uns in Erinnerung. Wir verspürten das Bedürfnis, im Rahmen eines Filmprojekts herauszufinden, wie aus diesen Gefängniszellen heraus – und mit diesen Außenseitern, die von Kultur weit entfernt sind – eine so zauberhafte Vorstellung entstehen konnte. So schlugen wir Fabio Cavalli, dem Bühnenregisseur, der mit den Häftlingen arbeitete,
Shakespeares »Julius Cäsar« vor. Wir inszenierten das Stück in Zusammenarbeit mit den Häftlingen. Wir filmten in ihren Zellen, während des Hofgangs, in den einzelnen Flügeln des Hochsicherheitstrakts und schließlich auf der Bühne. Wir versuchten, die Finsternis in ihrem Leben als Verurteilte in Kontrast zur poetischen Kraft der Emotionen zu setzen, die Shakespeares Emotionen hervorruft – Freundschaft und Verrat, Mord und die Qual der Wahl, der Preis von Macht und Wahrheit. Sich ganz tief in ein solches Stück hineinzubegeben bedeutet auch, in sich selbst hineinzublicken, besonders wenn man von den Brettern, die die Welt bedeuten, zurückkehren muss in die Enge einer Gefängniszelle.

Berlin 2012:
Goldener Bär,
Preis der Ökumenischen Jury

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Cäsar muss sterben
Website zum Film:
www.caesarmusssterben-f...
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