drucken

PARADIES: Glaube

PARADIES: Glaube

DE/FR/AT, 2012, 114 min, OdF, R: Ulrich Seidl, K: Wolfgang Thaler, Ed Lachman, D: Maria Hofstätter, Nabil Saleh 


Eine katholische Fundamentalistin geht in ihren Ferien auf Missionierungstour und führt einen Kleinkrieg mit ihrem muslimischen Ehemann. PARADIES: GLAUBE ist der zweite Teil der PARADIES Trilogie von Ulrich Seidl.

PARADIES: GLAUBE ist der zweite Teil der PARADIES Trilogie von Ulrich Seidl.
Für Anna Maria, eine alleinstehende Frau um die 50, liegt das Paradies bei Jesus. Ihren Urlaub verbringt sie damit, mit einer 40 cm großen Wandermuttergottes-Statue von Haus zu Haus zu gehen, um Österreich wieder katholisch zu machen. Als eines Tages ihr Ehemann, ein an den Rollstuhl gefesselter Moslem, nach Jahren der Abwesenheit aus Ägypten zurückkommt, beginnt ein Kleinkrieg um Ehe und Religion. PARADIES: Glaube untersucht, was es bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen, und erzählt von der Sehnsucht nach Liebe.

AUS EINEM INTERVIEW MIT REGISSEUR ULRICH SEIDL MIT DEM PROFIL
Es geht in PARADIES: GLAUBE um die Abgründe in beiden Religionen?
Es geht um zwei Menschen …

… um zwei religiöse Menschen.
Ja, die aber beide nicht für ihre jeweils gesamte Glaubensgemeinschaft stehen. Ich beschreibe das Schicksal zweier vom Leben enttäuschter Individuen, nicht zweier Religionen. Die Kirche ist nicht nur ein Milieu. Sie ist enorm vielfältig, voller Hierarchien und verschiedener Gesellschaftsschichten. Die könnte man gar nicht auf eine Figur herunterbrechen. Aber die Stimme der Kirche ist sehr schwach geworden. Die Skandale entstehen ja nicht mehr in der Kunst, sondern im Inneren der Kirche selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Film wie meiner noch zu einem Skandal werden könnte. Wer sollte sich darüber noch empören?

Man könnte wohl auf die Idee kommen, dass Sie in Ihrem Film Kritik an den Religionen übten.
Ich mache den Glauben ja nicht schlecht. Die Religiosität dieser Frau führt zu einer extremen Jesus-Liebe, die auch körperlich wird – das mag eine Provokation sein. Denn natürlich zeige ich eine Frau, die Jesus nicht nur als ihren Herrn und Gebieter, sondern letztlich auch als ihren Liebhaber und Sexualpartner sieht. Das ist wohl etwas, das man als Kirche oder gläubiger Mensch nicht sehen möchte. Trotzdem glaube ich, dass die Kirche mittlerweile zur Empörung zu schwach ist. Denn wenn man bedenkt, was allein in den letzten paar Jahren an sexuellen Vorgängen innerhalb der Kirche aufgedeckt wurde, so ist das eigentlich unfassbar.

Sie gehen gern an Darstellungsgrenzen. Ist es Ihnen recht, wenn man Ihre Filme für schwer erträglich hält?
Nicht wirklich. Aber ich mag es, Filme zu drehen, die schwer erträgliche Szenen beinhalten. Mir ist sehr bewusst, dass etwa jene Sequenz in PARADIES: LIEBE, in der sich eine Gruppe weißer Touristinnen einen schwarzen Stripper aufs Zimmer holt, viele Zuschauer nachhaltig verstört. Aber das ist ja der Sinn dieser Szene. Denn Verstörung setzt ja auch etwas in Gang.
Quelle: www.profil.at

__ In Ulrich Seidls zweitem Teil seiner PARADIES Trilogie hat das Aufeinandertreffen von Bigotterie und Normalität etwas Absurdes, aber auch Tieftrauriges. Der Blick in die Abgründe des christlichen Fundamentalismus beeindruckt durch streng kadrierte Bilder und ist sowohl im Kontext des ersten Teils zu verstehen, wie auch als Einzelstück. Der routinierte Provokateur macht das Private zum Politischen. Bewundernswert der Mut von Maria Hofstätter, die sich bedingungslos dem Regisseur ausliefert und der Geschichte unterordnet. – Blickpunkt:Film

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
PARADIES: Glaube
Website zum Film:
www.paradies-trilogie.at/
Moviemento-Programmzeitung
Nr 288 - Jänner 2013
Crossing EuropeKinderkino im MoviementoKulinarisches SommerkinoCACI VORBASommerkino 2014
schliessen [X]
Film der Woche: Feuerwerk am helleichten Tage