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Liebe

Amour

FR/DE/AT, 2012, 125 min, Franz./OmdtU, R: Michael Haneke, K: Daniela Knapp, Matthias Schellenberg, D: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimmell, Ramón Agirre 


Verdiente zweite Goldene Palme für Michael Haneke: ein kleiner Film über das Sterben, der ein großer über die Liebe ist.

Georges und Anne, seit Jahrzehnten verheiratet, sind kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Michael Haneke entwickelt aus der intimen Situation eines einzigen Paares mit Tochter eine ganz eigene, herzzerreißende Episode einer Liebe, die uns allen zeigt, dass es eben doch Sinn macht, den langen Weg durchs Leben gemeinsam zu gehen.

AUS EINEM INTERVIEW
MIT REGISSEUR MICHAEL HANEKE
»Die Vorstellung und die Wirklichkeit haben wenig miteinander zu tun«, sagt Anne zu Georges an einer Stelle im Film, wo sie mit ihm sein Handeln ihr gegenüber diskutiert. Ging es Ihnen in LIEBE darum, in eine Wirklichkeit der Liebe zu dringen, wo gängige Vorstellungen davon ihre Grenze erreichen, und somit den Topos der Liebe im Kino zu reflektieren?
Michael Haneke: Eine Antwort auf diese Frage führt zur Selbstinterpretation, ich will aber ungern sagen, was ich mit diesem Film ausdrücken will, denn dann sehen die Leute nur das, was ich gesagt habe. Journalisten wollen Antworten auf Fragen haben, die ich mit meinen Filmen aufwerfe. Die Fragen sollen aber die Zuschauer stellen.

Es gibt eine schöne Szene am Küchentisch, wo Anne nach den Fotoalben fragt und sich der Vergangenheit zuwendet, während Georges weiterisst und gleichzeitig in der Gegenwart bleibt. LIEBE konfrontiert nicht nur die Generationen miteinander, sondern auch die Zeiten.
Michael Haneke: Ich gehe ja nicht mit einem Konzept an einen Film heran, um einen Film über ein bestimmtes Thema zu machen. Es sind persönliche Erfahrungen oder Figuren oder Personenkonstellationen, die mich interessieren. Journalisten müssen die Sachen auf den Punkt bringen und dabei griffig formulieren, aber Kunst findet anders statt. Griffige Formulierungen sind meist eine Verflachung, weil es gar nicht anders geht. Sobald eine Sache auf den Begriff gebracht ist, ist sie künstlerisch tot. Dann lebt nichts mehr und man braucht sich den Film gar nicht mehr anzuschauen. Das ist immer das Problem zwischen der künstlerischen Äußerung und einem Bericht darüber. Wenn man einen Film ohne Vorwissen sieht, ist er wesentlich widersprüchlicher und komplexer. Es geht in LIEBE um tausend Sachen, und sobald ich eine hervorhebe, reduziere ich die anderen. Natürlich sind diese Beobachtungen Teil meiner Überlegungen, aber ich habe mir nie vorgenommen, nur über ein konkretes Thema einen Film zu machen. Was mich dazu geführt hat, war die Frage: Wie geht man mit dem Leiden eines Menschen um, den man liebt? Das hat mich interessiert, weil ich das auch privat in der Familie erlebt habe und es mich sehr bewegt hat. So begann ich darüber nachzudenken. Und dann fallen einem aus der Erinnerung oder in der Phantasie Dinge ein. So entstehen Situationen, und aus denen entstehen Szenen, und die haben eine Bedeutung. [...]

Mit der Taube taucht etwas überraschend Symbolhaftes in Ihrem Kino auf.
Michael Haneke: Nehmen Sie die Taube doch einfach als Taube. In sie kann man hineininterpretieren, was man will. Ich würde es nicht als Symbol bezeichnen. Ich habe mit Symbolen meine Schwierigkeiten, weil sie immer etwas bedeuten. Ich weiß nicht, was die Taube bedeutet. Ich glaube, ich weiß nur, dass die Taube kommt. Die symbolisiert vielleicht für ihn und für den einzelnen Zuschauer etwas, wenn er will, für mich symbolisiert sie nichts. Mit mehrdeutigen Dingen muss man vorsichtig umgehen, vor allem muss man mehrdeutig damit umgehen. Ich hab so etwas des Öfteren schon gehabt. Denken Sie an 71 FRAGMENTE EINER CHRONOLOGIE DES ZUFALLS, da hört man immer wieder Bach-Choräle aus einem Radio, das könnte man auch als Metapher betrachten, als ein Angebot, darin mehr zu sehen, als es ist. Man muss aber nicht. In Paris gibt es viele Tauben.
Interview: Austrian Film Commission /
Karin Schiefer

__ Mit LIEBE öffnet sich in Hanekes Werk nun ein neuer Raum. Er schreibt sich ein in die große Filmgeschichte, mit zwei Darstellern, die in die Urgeschichte des modernen Kinos zurückreichen. - Der Standard

__ Mit dem sorgfältig reduzierten Kammerspiel überzeugte Haneke auch bisherige Skeptiker– nicht zuletzt den italienischen Jurypräsidenten Nanni Moretti, der Haneke den Hauptpreis übergab. - Die Presse

__ Haneke wirft einen für ihn ungewohnten, liebevollen Blick auf die Menschen und schafft damit ein grandios-berührendes, zutiefst erschütterndes Filmmeisterwerk. - Kurier

__ Grandios gespielt - Die Welt

__ Ein bewegender Film über die Liebe - ARD ttt

Cannes 2012: Goldene Palme

Es sind keine Spieltermine für diesen Film vorhanden.
Liebe
Moviemento-Programmzeitung
Nr 284 - September 2012
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